Wien / Graz / Ludwigshafen (OTS) – BASF, BEST und Partner in der
Automobilindustrie schließen
Pilotprojekt zum chemischen Recycling erfolgreich ab
Das COMET-Kompetenzzentrum BEST – Bioenergy and Sustainable
Technologies GmbH hat für BASF SE ein Pilotprojekt zum Recycling von
gemischten Abfällen aus Altfahrzeugen erfolgreich abgeschlossen. Das
Pilotprojekt demonstriert die Recyclingfähigkeit von
Hochleistungskunststoffen aus Schredder-Rückständen von Automobilen (
Automotive Shredder Residues, kurz ASR) zusammen mit nachwachsenden
Rohstoffen. Diese Mischung aus Kunststoff, Folie, Lack und
Schaumstoffresten ist so komplex, dass sie aktuell nur thermisch
verwertet werden kann. Das Pilotprojekt zeigt, dass sich diese
Automobilabfälle mittels der Umwandlung in Synthesegas, einer
speziellen Art des chemischen Recyclings, jedoch stofflich nutzen und
in die Autoproduktion zurückführen lassen.
Durch Pilotprojekte werden neue Kunststoffquellen und
Einsatzmöglichkeiten von chemischem Recycling in Bauteilen
erschlossen. Ziel ist es, in Zukunft weniger Primärmaterial zu
beziehen und den Anteil an recycelten Materialien im Fahrzeug zu
erhöhen. Im Rahmen des Projekts wurde das chemisch recycelte Material
im Herstellungsprozess für Lenkräder verwendet.
Die Technologie ermöglicht, in Fahrzeugen recycelte Materialien
einzusetzen und Ressourcenkreisläufe zu schließen.
Sekundärmaterialien können so in der Fahrzeug-Herstellung erhöht
werden. Durch das Pilotprojekt kann das Potenzial der Schredder
Rückstände aus der Automobilindustrie als zukünftige Rezyklat-Quelle
und damit als Sekundärrohstoff bewertet werden. Es ist damit eine
zusätzliche Option zum mechanischen Recycling, dem diese hohe, mit
chemischem Recycling erreichbare Qualitätsstufe oft nicht zugänglich
ist. Darüber hinaus ist in Verbindung mit dem sogenannten
Massenbilanzansatz zukünftig eine bedarfsgerechte Skalierung möglich.
Zwtl.: Defossilisierung: Erste vollständig nicht-fossile (Syn-)
Gaserzeugung zur Herstellung neuer Kunststoffe
Bei dem abgeschlossenen Projekt konnte erstmals ein Abfallstrom,
der nur aus Automobilabfällen und Biomasse bestand, in einem
Gaserzeugungsprozess zu Synthesegas und seinen Derivaten
weiterverarbeitet werden. Diese Zwischenprodukte ersetzten fossile
Rohstoffe in der integrierten BASF-Wertschöpfungskette. Innerhalb
ihres Produktionsnetzwerks stellt BASF dann die für das Lenkrad
benötigte Polyurethan-Rezeptur nach einem Massenbilanzansatz* her.
Die Recycling-Innovation verwendet moderne (Syn-)
Gaserzeugungstechnologie von BEST, um Kunststoffabfälle und andere
Reststoffe bei hoher Temperatur in Synthesegas umzuwandeln.
„In unserer Anlage haben wir bisher Biomasse wie Holz oder Stroh
in Chemie-Rohstoffe umgewandelt. In diesem Pilotprojekt haben wir
diese Gaserzeugungstechnologie nun zusammen mit BASF erstmals dazu
genutzt, komplexe Kunststoffabfallströme in synthetisches Rohöl,
sogenanntes Syncrude, zu verwandeln.”, erläutert Matthias Kuba, Area
Manager Syngas Platform Technologies bei BEST in Wien. „Diese Form
des chemischen Recyclings hat großes Potenzial zur Umwandlung
komplexer, gemischter Abfallströme in neue, wertvolle Rohstoffe.
Dadurch stellt sie eine sinnvolle Alternative zur Verbrennung von
Abfällen dar.“
Zwtl.: Technologienspektrum breit halten
„Unter „Our Plastics Journey“ fassen wir bei BASF die drei Phasen
des Produktlebenszyklus make, use, recycle zusammen. Für Letzteres
bieten wir eine breite Palette an Recyclinglösungen an, da wir
überzeugt sind, dass viele Methoden sich gegenseitig ergänzen müssen,
um Recyclingziele zu erreichen. Wir priorisieren mechanisches
Recycling und verbessern kontinuierlich dessen Effizienz. Die Art des
Abfalls und der Grad der Sortierung bestimmen, welche Technologien am
besten geeignet sind. Wir sind überzeugt, dass ergänzende
Technologien wie das chemische Recycling, zu dem Pyrolyse,
Depolymerisation und Gasifizierung gehören, notwendig sind, um die
Kreislaufwirtschaft weiter zu fördern und den Kunststoffabfall zu
verringern, der heute noch auf Deponien landet oder verbrannt wird“,
erklärt Martin Jung, Leiter des Unternehmensbereichs BASF Performance
Materials.
„Um die verschiedenen Optionen zur Abfallverwertung optimal zu
nutzen und alle Technologien parallel weiterzuentwickeln, ist der
geeignete regulatorische Rahmen unerlässlich.“
Zwtl.: * Hintergrund: Chemisches Recycling und Massenbilanz
Mit chemischem Recycling lassen sich Kunststoffabfälle
verarbeiten, die aus technischen, ökonomischen oder ökologischen
Gründen nicht mechanisch recycelt werden können. Die Syngaserzeugung
ist eine Variante des chemischen Recyclings, mit der sich besonders
vermischte Abfallströme in wertvolle neue Rohstoffe – z. B. für die
Kunststoffherstellung – umwandeln lassen. Bei der Einspeisung in
große komplexe und kontinuierlich betriebene Produktionsanlagen wie
in den BASF-Verbund werden diese neuen zirkulären Rohstoffe mit
konventionellen fossilen Rohstoffen vermischt und zu
Kunststoffvorprodukten verarbeitet. Die kalkulatorische Zuordnung der
neuen (Sekundär-)Rohstoffe erfolgt über das Instrument der
Massenbilanz. Produkte und Standorte werden von unabhängigen
Auditoren nach international anerkannten Systemen wie ISCC PLUS oder
REDcert² zertifiziert.
Durch die hohe Qualität der eingespeisten neuen Rohstoffe haben
die entstehenden Produkte Neuwarequalität und erfüllen die
anspruchsvollen Anforderungen von Hochleistungskunstoffen, wie sie
vor allem für sicherheitsrelevante Automobilbauteile benötigt werden.
Foto: BASF
Zwtl.: Über BASF
Chemie für eine nachhaltige Zukunft, dafür steht BASF. Wir
verbinden wirtschaftlichen Erfolg mit dem Schutz der Umwelt und
gesellschaftlicher Verantwortung. Rund 112.000 Mitarbeitende in der
BASF-Gruppe tragen zum Erfolg unserer Kunden aus nahezu allen
Branchen und in fast allen Ländern der Welt bei. Unser Portfolio
umfasst sechs Segmente: Chemicals, Materials, Industrial Solutions,
Surface Technologies, Nutrition & Care und Agricultural Solutions.
BASF erzielte 2023 weltweit einen Umsatz von 68,9 Milliarden Ꞓ. BASF-
Aktien werden an der Börse in Frankfurt (BAS) sowie als American
Depositary Receipts (BASFY) in den USA gehandelt. Weitere
Informationen unter www.basf.com .
Zwtl.: Über BEST
BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH schließt die
Lücke zwischen akademischer Forschung und Technologieentwicklung
durch industriegetriebene, angewandte Forschung und Entwicklung in
den Bereichen Bioenergie, nachhaltige biobasierte Ökonomie und
zukunftsfähige Energiesysteme. Unsere Vision ist es, den Wandel zu
einer nachhaltigen und klimafreundlichen Bioökonomie aktiv
mitzugestalten. Dabei unterstützen uns weltweit einzigartige
Forschungsinfrastrukturen, die es uns und unseren Partnern
ermöglichen, ambitionierte Innovationsziele zu erreichen. www.best-
research.eu