ERC Synergy Grant für „SnowShifts“: BOKU-Forschende untersuchen Quantität und Veränderungen des Schnees in Polar- und Hochgebirgsregionen

Wien (OTS) – Ein Europäisches Forschungsteam mit BOKU-Beteiligung
untersucht
grundlegende Schneeeigenschaften in extremen Polar- und
Hochgebirgsregionen und quantifiziert mit einem kombinierten Ansatz
aus neuartigen Fernerkundungs- und in-situ-Methoden sowie komplexen,
numerischen Modellen aktuelle und zukünftige Veränderungen von
Schneeparametern und deren nichtlinearen Prozesse.

Schnee bedeckt saisonal riesige Gebiete, die in der nördlichen
Hemisphäre im Winter bis zu 50 Prozent der Landfläche ausmachen
können. Die mittlere globale Verteilung großer jährlicher
Schneemengen stimmt sehr gut mit den beiden Zonen der Erde überein,
die sich derzeit am stärksten erwärmen: den Polarregionen und den
Hochgebirgen. Schnee ist eine äußerst wichtige Komponente der Wasser-
, Energie- und Kohlenstoffkreisläufe der Erde und hat eine
Schlüsselrolle als Regulator zwischen unterschiedlichen Sphären der
Erde.

Die aktuelle UN-Aktionsdekade für Kryosphärenwissenschaften zielt
darauf ab, die Unsicherheiten hinsichtlich der Ursachen und
Auswirkungen von Veränderungen von Schnee, Eis und Permafrost zu
verringern. Eine bislang fehlende beziehungsweise ungenaue
Quantifizierung des Schnees in extremen Regionen und eine
unvollständige Integration von Schneeprozessen in Klima- und
Landoberflächenmodellen trägt wesentlich zu diesen Unsicherheiten
bei.

Zwtl.: Synergetische Betrachtung unter Einbeziehung neuartiger
Technologien

Das Ziel des ERC Synergy-Projekts „SnowShifts“ ist es, diese
Unsicherheiten zu minimieren und unser Verständnis von Veränderungen
von Schneeprozessen innerhalb der Erd- und Klimasysteme erheblich zu
verbessern und zu quantifizieren. Dazu werden mit einem
ganzheitlichen Ansatz, innovative Technologien, wie
satellitengestützte photonenzählende Laseraltimeter und terrestrische
Supraleitgravimeter, intelligente Emulatoren in komplexe numerische
Modellierungen integriert. Der Fokus liegt dabei auf die sich durch
den Klimawandel am stärksten ändernden Regionen: Arktis, Antarktis
und Hochgebirge. Das interdisziplinäre Projekt umfasst die Expertise
von Teams von über 20 Wissenschaftler*innen an drei europäischen
Universitäten sowie weiteren Partnerinstitutionen.

Die drei Projektleiter*innen sind an der Universität Oslo (
Andreas Kääb), der Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (
Michael Lehning) und der BOKU University in Wien (Franziska Koch)
tätig. Angegliederte Partner sind das Helmholtz-Zentrum für
Geowissenschaften (GFZ) in Potsdam, CESBIO in Toulouse, ANavS GmbH in
München und das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in
Davos (ebenfalls Michael Lehning). Für die sechsjährige Laufzeit
stehen Fördermittel in Höhe von 10 Millionen Euro zur Verfügung.

Zwtl.: BOKU-Team ist spezifiziert auf die Erfassung von Schneemassen

Das Team der BOKU unter der Leitung von Franziska Koch vom
Institut für Hydrologie und Wasserwirtschaft trägt wesentlich zum
Projekt mit der Expertise zur Erfassung von Schneemassen mit
fortschrittlichen und innovativen Monitoring- und Modellierungs-
Methoden auf unterschiedlichen räumlichen Skalen bei. Die BOKU
arbeitet dabei eng mit ihren im Projekt integrierten Partner*innen,
inklusive dem GFZ, und mit den Teams in Lausanne und Oslo zusammen.
„Zu den neuartigen Methoden, die in das Gesamtkonzept von SnowShifts
auf unterschiedlichen Skalen integriert und optimiert werden, zählen
die Erfassung von Schneeparametern mithilfe der Global Navigation
Satellite Systems (GNSS) und die Integration von Signalen
terrestrischer Supraleitgravimeter als auch raumzeitlich
herunterskalierter Satellitengravimetriedaten in schnee-hydrologische
Modellsysteme und Fernerkundungsdatensätze“, erklärt Franziska Koch .
Die präzise Quantifizierung des Schnees ist insgesamt ein
essenzieller Baustein im Projekt.

Koch betont aber auch, dass „nur durch das gesamtheitliche und
interaktive Zusammenwirken aller Teams im Projekt das übergeordnete
Ziel zur hochaufgelösten Quantifizierung und zum Verständnis
nichtlinearer Veränderungen von Schneeregimen möglich ist“ und geht
davon aus, dass „die angestrebten Resultate lokal, regional als auch
global für eine Vielzahl von wissenschaftlichen als auch
anwendungsorientierten Bereichen relevant sein werden“. Dies könnte
zukünftig etwa neue Schneemodule für Klima- und
Landoberflächenmodelle für eine präzisierte atmosphärische
Prozessbeschreibung umfassen. Zudem könnte es unter anderem auch für
eine bessere Abschätzung von Niederschlägen, Naturgefahren, sowie
ökologischen und hydrologischen Prozessen in den extremen und sehr
sensiblen polaren und hochalpinen Regionen dienen.

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