8. Wiener Landtag (3)

Wien (OTS) – LAbg. Astrid Pany, BEd, MA (SPÖ) sagte, eine gute
Sprachförderung sei
unumgänglich. Nur so hätten Kinder eine Chance, gute Bildung und
später gute Chancen am Arbeitsmarkt zu haben. Darin seien sich alle
einig – bei der Lösung aber scheiden sich laut Pany die Geister. Gute
Sprachförderung, so die Abgeordnete, brauche gezielte Förderung im
Unterricht, aber auch Professionalität. Das sei Aufgabe aller Pädagog
*innen und nicht nur der Sprachförderkräfte. In allen
Unterrichtsfächern müsse Sprachförderung gelebt werden – egal ob
Musik, Deutsch oder Mathematik. Kinder würden am besten durch Inhalte
lernen, so Pany. Wenn Kinder eine aktive Sprachnutzung erleben,
funktioniere das besser als passives Zuhören. Beim Englischlernen
etwa werde dieses Prinzip aktiv eingesetzt. Darum, so Pany, würden
Deutschförderklassen „nicht funktonierten“. Auch die Segregation der
Deutschförderklassen kritisierte Pany. Die Erstsprache müsse erlaubt
und „wertgeschätzt” werden und dürfe nicht als „Hindernis” betrachtet
werden. Das Ziel bleibe, Deutsch zu lernen, der Weg solle aber ein
“mehrsprachiger Weg” sein. Die Forderung nach der Pausensprache
Deutsch nannte Pany im Kontext „kontraproduktiv”. Auch die
Forderungen nach einem Verbot gemischtsprachiger Klassen sowie
Strafmaßnahmen bei mangelnden Sprachkenntnissen kritisierte Pany. Die
Sprachbestandsfestellung für Dreijährige gebe es zwar in
Kindergärten, aber das sei laut Pany kein „Deutschtest”. Kinder, so
Pany, würden einen solchen Test nicht annehmen und unter dem Druck
nicht kooperieren, daher sei eine solche Maßnahme „sinnlos”. Es
würden gute Maßnahmen gesetzt, etwa Sonderschulen mit
Deutschförderung, der „Chancenbonus” und mehr Personal. Auch würden
autonome Sprachfördermodelle künftig möglich gemacht. Bildung, so
Pany, sei „zu wichtig für politische Spiele”. Stattdessen forderte
die Abgeordnete evidenzbasiertes und wissenschaftliches Denken.

LAbg. Lorenz Mayer (ÖVP) unterstellte den NEOS, ihr Ressort
„nicht im Griff” zu haben. Kontrollversagen, Fördergeldmissbrauch und
mehr kritisierte Mayer. Die Hälfte aller Schulanfänger*innen würde so
schlecht Deutsch sprechen, dass sie der oder dem Lehrenden nicht
folgen können. Die Stadtregierung raube einer „ganzen Generation die
Zukunft”. In mehreren Bezirken seien es sogar bereits mehr als 50
Prozent. Mayer nannte als Beispiel eine Klasse, wo nur fünf von 22
Schüler*innen dem Unterricht folgen könnten. Mayer kritisierte, dass
es in Favoriten sogar weniger Personal geben würde. In Meidling
würden 657 von 1.044 Schulanfänger*innen nicht ausreichend Deutsch
sprechen. Die Bildungsfrage werde zunehmend zu einer Wohnortfrage.
Viele Eltern stellten sich daher die Frage, wo sie hinziehen müssten,
um eine gute Schulausbildung zu bekommen. Menschen würden dazu
gezwungen, zu sparen, um sich eine Privatschule zu leisten. Sämtliche
Kennzahlen, vom Sitzenbleiben bis hin zur Sozialarbeit, würden sich
laut Mayer negativ entwickeln. Inhaltlich würden konkrete Maßnahmen
in den Plänen der NEOS fehlen, kritisierte der Abgeordnete. Das
System erziehe künftige Mindestsicherungsbeziehende, die Stadt
brauche aber „qualifizierte Kräfte”. Bürgermeister Ludwig habe 1.000
zusätzliche Sprachförderkräfte versprochen, in das Regierungsprogramm
habe es diese Ankündigung laut Mayer aber nicht geschafft.
Abschließend forderte Mayer, mit dem Missbrauch von Fördermitteln in
privaten Kindergärten aufzuräumen – bezweifelte allerdings die
Fähigkeit der Stadtregierung, das umzusetzen.

LAbg. Mag. Berivan Aslan (GRÜNE) erzählte aus ihrer Kindheit, sie
sei mit sechs Jahren und “gebrochenem Deutsch” in die Schule
gekommen. Ihre Kinder gingen nicht in einen städtischen Kindergarten,
es wäre kein Platz verfügbar gewesen. Aslan stellte fest, dass
Kinder, die früher in den Kindergarten kämen, besser Deutsch lernen
würden als jene, die mit drei Jahren starteten. Aslan monierte, dass
viel mehr bei der frühkindlichen Betreuung getan werden müsse. Andere
Länder, wie Schweden, hätten gezeigt, dass sich das positiv auf das
Erlernen der Sprache auswirke – so Aslan. Die Verantwortung dürfe
nicht länger auf Kinder und Eltern abgeschoben werden, so die
Abgeordnete, das System habe einfach versagt. Die Jobs in diesem
Bereich müssten „lukrativer” gestaltet werden. Es gelte Hürden
abzubauen. Dass der Zugang von Kindern zu Kleinkindergruppen vom
Beschäftigungsstatus der Eltern abhängt, kritisierte Aslan. Kinder
hätten ein “Recht auf Entwicklung”. Leider, so Aslan, würden die NEOS
in einer „Ankündigungspolitik” festhängen. Es sei nicht nötig, das
Rad neu zu erfinden, sondern es sei sinnvoll, auf bewährte Strukturen
zu vertrauen und diese zu stärken.

Abstimmmung: Die Anträge der Opposition erzielten keine Mehrheit.

Die 8. Sitzung des Wiener Landtags in der laufenden
Legislaturperiode endete um 11:39 Uhr.

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