Studieren darf kein Nebenjob sein: ÖH fordert höhere Studienbeihilfe und Erleichterungen für arbeitende Studierende

Wien (OTS) – 69 Prozent der Studierenden in Österreich arbeiten, und
72 Prozent
von ihnen tun dies aus finanzieller Notwendigkeit, um steigende
Mieten, Lebensmittelpreise und Energiekosten zu decken. „Studieren
darf kein Nebenjob sein. Wer finanziell nicht unterstützt wird, muss
oft 15, 20 oder 25 Stunden arbeiten, um über die Runden zu kommen,”
stellt Selina Wienerroither aus dem ÖH Vorsitz klar. Schon ab 9
Stunden leidet laut Studierendensozialerhebung allerdings der
Studienerfolg unter der Erwerbsarbeit. “Das Studium ist so schon ein
Marathon – für arbeitende Studierende wird dieser aber zum
Hindernislauf mit Zusatzgewicht”, ergänzt Wienerroither

Podiumsdiskussion mit Bundesministerin Holzleitner und AK-
Präsidentin Anderl

Dass die zunehmende Prekarisierung von Studierenden ein
strukturelles Problem ist, wurde auch kürzlich bei der
Podiumsdiskussion “Prekär arbeiten – prekär studieren” der ÖH
deutlich. Vertreter_innen aus Politik, Wissenschaft und
Interessenvertretungen diskutierten dabei die Realität arbeitender
Studierender und machten klar, dass steigende Lebenshaltungskosten
und unzureichende Förderungen immer mehr Studierende dazu zwingen,
neben dem Studium zu arbeiten.

„Wer neben dem Studium arbeiten muss, braucht auch faire
Rahmenbedingungen. Studienbeiträge oder starre Studienstrukturen
verschärfen die Situation zusätzlich und erschweren ein erfolgreiches
Studium“ , so Viktoria Kudrna. Viele Studierende müssen ihre
Arbeitszeiten an Lehrveranstaltungen und Prüfungen anpassen oder ihr
Studium verlängern, weil sie parallel arbeiten. Gleichzeitig führen
zusätzliche finanzielle Belastungen – etwa Studienbeiträge bei
Überschreitung der Toleranzsemester dazu, dass Studierende noch
stärker in Erwerbsarbeit gedrängt werden.

Neben finanzieller Absicherung fordert die ÖH daher auch mehr
Flexibilität im Studium, um Erwerbsarbeit und Studium besser
vereinbaren zu können. Dazu gehören etwa der Ausbau von Hybrid-Lehre,
mehr Lehrveranstaltungen zu Randzeiten sowie verpflichtende
Aufzeichnungen von Lehrveranstaltungen.

Fachhochschulen: Faire Entlohnung von Pflichtpraktika gefordert

Auch an den Fachhochschulen sieht die ÖH Reformbedarf. Bislang
würden kollektivvertragliche Regelungen fehlen, die faire Bezahlung,
transparente Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung für
Beschäftigte garantieren. „Gute Arbeitsbedingungen im Hochschulsystem
sind auch eine Frage der Studienqualität. Prekäre Beschäftigung und
fehlende arbeitsrechtliche Standards wirken sich langfristig auf
Studium, Lehre und Forschung aus“ , betont Umut Ovat aus dem ÖH
Vorsitz letztlich.

Besonders kritisch sieht die ÖH zudem unbezahlte Pflichtpraktika,
die vor allem an Fachhochschulen häufig Voraussetzung für den
Studienabschluss sind. Die ÖH fordert daher, dass Pflichtpraktika
künftig nur im Rahmen eines echten Dienstverhältnisses mit
entsprechender Entlohnung stattfinden dürfen.

Neues Forderungspapier präsentiert

Der gesamte Forderungskatalog zur Vereinbarkeit von Arbeit und
Studium ist auf der Website der ÖH abrufbar . Die zentrale
Forderungen im Überblick:

– Anhebung der Studienbeihilfe über die Armutsgefährdungsschwelle

– Automatische Beantragung der Studienbeihilfe bei Studienbeginn

– Zusätzliche Toleranzsemester für arbeitende Studierende

– Abschaffung bzw. Erlass von Studiengebühren für arbeitende
Studierende

– Vergütungspflicht für Pflichtpraktika

– Ausbau von Hybrid-Lehre und mehr Flexibilität im Studium

– Abschaffung von Kettenarbeitsverträgen im Hochschulsystem

– Einführung eines Kollektivvertrags für Fachhochschulen

– Erleichterter Zugang zum Arbeitsmarkt für internationale
Studierende

Für die ÖH ist klar: Solange Studierende neben dem Studium
arbeiten müssen, braucht es politische Maßnahmen, die Studium und
Erwerbsarbeit besser vereinbar machen.

Bei einer Fotoaktion vor dem Parlament hat der ÖH-Vorsitz das
neue Forderungspapier präsentiert, das an alle
Nationalratsabgeordneten postalisch zugestellt wird. Fotos der Aktion
sind unter diesem Link zur freien Verwendung (© ÖH) abrufbar.

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