Jetlag und extreme Hitze bei der WM: Wie ein Grazer Arzt das ÖFB-Team fit macht

Wien (OTS) – Wenn das ÖFB-Nationalteam in den kommenden Tagen in das
Abenteuer
Fußball-WM startet, beginnt für Dr. Michael Fiedler die kritischste
Phase. Der Oberarzt des AUVA-UKH Steiermark in Graz trägt als
Teamarzt die medizinische Verantwortung für die Fitness der rot-weiß-
roten Stars bei Hitze und Jetlag. Neun Stunden Zeitverschiebung zum
Team-Camp in Santa Barbara, mögliche extreme Hitzeschlachten und eine
bei entsprechendem Turnierverlauf notwendige Höhenanpassung in Mexiko
fordern den Unfallchirurgen und Sportmediziner massiv.

„Unser Tag beginnt im Morgengrauen mit der Bestimmung der CK-
Blutwerte. Nur so können wir dem Trainerteam um Ralf Rangnick genaue
Empfehlungen für die Trainingssteuerung geben“, erklärt Fiedler. Die
sogenannten „Hitzeprotokolle“ sind für das Überstehen der
Gruppenphase genauso entscheidend wie die Taktik auf dem Rasen. Im
Vorfeld bedurfte es zudem enormer logistischer Planungen, da zwischen
den einzelnen amerikanischen Spielorten teils erhebliche Temperatur-
und Zeitzonen-Unterschiede existieren.

Die eigentliche Bewährungsprobe begann für den Teamarzt jedoch
schon in den vergangenen Monaten. Bereits während der Lehrgänge lag
der Fokus auf präziser Diagnostik und dem nahtlosen Zusammenspiel mit
der Sportwissenschaft. „Unsere Aufgabe geht weit über den Einsatz bei
den Spielen hinaus“, so Fiedler. „Es geht um akribische
Präventionsarbeit, Rehabilitationstraining und die perfekte
Abstimmung der Ernährung, für die in unserem Betreuerstab Martin
Rinderer verantwortlich zeichnet.“

Dass Fiedler genau weiß, wie Fußballer ticken, verdankt er seinen
tiefen Wurzeln im Grazer Sport. Er betreut seit zwölf Jahren den SK
Sturm Graz, davor die 99ers und den ATSE, darüber hinaus die
Basketballer der Fürstenfeld Panthers sowie die Alpin-Damen des ÖSV.

Seit 2012 steht er in den Diensten des ÖFB, wo er als
Nachwuchsteamarzt begann. „Es erfüllt mich mit unglaublichem Stolz,
dass ich Spieler wie Xaver Schlager, Konny Laimer, Patrick Pentz,
Niki Seiwald, ‚Prassi‘ (Alexander Prass, Anm.), Florian Wiegele und
Alessandro Schöpf teils schon kenne, seit sie 14 Jahre alt sind“,
sagt der Steirer. Dass er sie nun auf der größten Bühne des
Weltfußballs medizinisch verantwortet, ist der bisherige Höhepunkt
seiner Laufbahn.

Trotz des WM-Fiebers bleibt die Verbindung in die Heimat eng: Der
Spagat zwischen dem anspruchsvollen 24/7-Spitalsbetrieb im UKH
Steiermark und dem mehrwöchigen Turnier auf der anderen Seite der
Welt funktioniert nur durch ein starkes Team in Graz und die volle
Rückendeckung der AUVA: „In Zeiten wie diesen ist das nicht
selbstverständlich“, so Fiedler.

Auf das Abschneiden des ÖFB-Teams bei der WM angesprochen meint
Fiedler: „Die Erwartungshaltungen der ganzen österreichischen Nation
sind sehr hoch, auch unsere sind sehr hoch. Das Minimalziel muss
einmal das Überstehen der Gruppenphase sein.“

Im Fußball sei schließlich, genau wie im Schockraum, alles eine
Frage des Teamworks: „Wichtig ist, dass wir als Familie, zu der wir
uns entwickelt haben, das Bestmögliche geben. Wenn man in einen Flow
kommt, warum soll es nicht ganz weit gehen?“

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