AK Wien Vollversammlung 1: Bildung im Fokus

Wien (OTS) – Bei der 185. Vollversammlung der Arbeiterkammer Wien
stand am
Vormittag das Thema Bildung im Fokus. Bildungsminister Christoph
Wiederkehr und Sozialministerin Korinna Schumann gaben vor den 180
gewählten Vertreter:innen Statements ab. Vier Mitglieder der
Vollversammlung, die in unterschiedlichen Bildungsbereichen tätig
sind, gaben kurze Blitzlichter auf aktuelle Herausforderungen in
ihren Berufsfeldern.

Wiederkehr: Bildung muss alle erreichen

„Bildung ist der Schlüssel zu fairen Chancen, sozialem Aufstieg
und einem starken Arbeitsmarkt. Deshalb brauchen wir ein
Bildungssystem, das alle Menschen erreicht – unabhängig von Herkunft,
Einkommen oder Wohnort. Gute Bildung beginnt bei der
Elementarpädagogik, setzt sich in modernen Schulen fort und muss auch
Erwachsenenbildung und berufliche Qualifizierung mitdenken. Die
Arbeiterkammer ist dabei eine wichtige Partnerin, wenn es darum geht,
gleiche Chancen und gute Zukunftsperspektiven für Arbeitnehmer:innen
in Österreich zu sichern“, so Bildungsminister Christoph Wiederkehr.

Bildung ist Zukunft und Demokratie

In kurzen Statements gaben vier Kammerrät:innen Einblick in die
Herausforderungen, die sich ihnen in ihren jeweiligen Berufsfeldern
des Bildungsbereichs stellen. In allen Statements ging es sowohl um
die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten als auch um die
Lernbedingungen für die jeweils Betroffenen.

Karin Samer, Elementarpädagogin, machte sich für bundesweit
einheitliche Bedingungen in den Kinderbildungseinrichtungen stark:
„Wir brauchen gleiche Bedingungen in ganz Österreich mit einem
einheitlichen Bundesrahmengesetz, das ist schon eine langjährige
Forderung. Es geht um die Anzahl der Kinder pro Gruppe genauso wie um
gleiche Qualität und Standards bei den Ausbildungen, unter anderem
bei den Assistent:innen, inklusive Berufsschutz.“

„Unser Lehrplan ist das Leben der Kinder“, beschrieb
Freizeitpädagogin Selma Schacht den Arbeitsalltag ihrer Berufsgruppe.
„Viele Kinder bringen große Rucksäcke an Problemen mit, mit denen die
Freizeitpädagog:innen tagtäglich umgehen müssen.“ Dringlich wären
daher Arbeitsbedingungen, unter denen man ernsthaft pädagogisch tätig
sein könne, derzeit seien die Arbeitsbelastungen extrem hoch, unter
anderem wegen Gruppengrößen mit bis zu 28 Kindern.

Farzin Weysi, Jugendsekretär der Gewerkschaft GPA, sprach
aktuelle Probleme in der Lehrlingsausbildung an: „Viele Lehrlinge
werden in den Betrieben nicht gut auf die Lehrabschlussprüfung
vorbereitet, immer weniger Betriebe bilden Lehrlinge aus, beklagen
aber den Fachkräftemangel.“ Die Lehrlingsförderung müsse überdacht
werden, es muss viel mehr Fokus auf Qualität gelegt werden.

Senad Lacevic aus dem Bereich der Erwachsenenbildung sprach die
Situation der Anbieter von Erwachsenenbildung an. „Wir müssen bei
Ausschreibungen von gewinnorientierten Firmen wegkommen. Sie haben
kein Interesse an Qualität in der Ausbildung, sie haben Interesse an
Gewinnen. Erwachsenenbildung muss einen höheren Stellenwert bekommen,
das betrifft vor allem die Finanzierung.“ Als Beispiel nannte Lacevic
das Programm „Level Up“ zum kostenlosen erwachsenengerechten
Nachholen des Pflichtschulabschlusses. Das Programm müsse alle zwei
Jahre erneut beschlossen werden, jedes Mal gäbe es großes Zittern um
die Finanzierung.

Schumann: Arbeitsmarktbudget stabil halten

Sozialministerin Korinna Schumann – das Sozialministerium ist die
Aufsichtsbehörde der Arbeiterkammern – sprach in ihren Grußworten die
angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt an und betonte, dass sich
internationale Veränderungen und Unsicherheiten auch auf den
heimischen Arbeitsmarkt auswirken. Umso wichtiger sei es gewesen, das
Budget für aktive Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarktförderung trotz
Konsolidierungsmaßnahmen stabil zu halten. Gerade in wirtschaftlich
herausfordernden Zeiten brauche es eine verlässliche
Arbeitsmarktpolitik, die Sicherheit gibt, Perspektiven ermöglicht und
niemanden zurücklässt.

Das Wiener Arbeitnehmer:innenparlament besteht aus 180
Kammerrät:innen. Die gewählten Vertreter:innen beraten hier über die
aktuelle politische und wirtschaftliche Lage und stimmen über Anträge
und Resolutionen ab. Die Vollversammlung tagt zwei Mal im Jahr.

Die Vollversammlung kann unter
https://wien.arbeiterkammer.at/ueberuns/gremien/vollversammlung/inde-
x.html nachgesehen werden.

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