Wien (OTS) – Am 25. März 2021 hat das derzeitige Vorstandsteam der
E-Control,
Alfons Haber und Wolfgang Urbantschitsch, seine Arbeit aufgenommen.
„Die vergangenen fünf Jahre waren nicht nur für uns als
Regulierungsbehörde sehr herausfordernd, sondern für die gesamte
Energiewirtschaft und nicht zuletzt auch für die Konsument:innen.
Zusammengefasst kann man ohne Übertreibung sagen, dass in den
vergangenen fünf Jahren die Krisenbewältigung im Fokus stand.“, zieht
Vorstand Wolfgang Urbantschitsch, dessen Vertrag nach zwei
Funktionsperioden nicht noch einmal verlängert werden kann, Bilanz.
Und er betont: „Auch jetzt stehen wir wieder vor herausfordernden
Zeiten. Heute wollen wir aber in erster Linie noch einmal
zurückschauen.“ Und er beginnt mit einem Rückblick auf den
Endkundenmarkt.
Zwtl.: Turbulente Zeiten liegen hinter uns – oder auch nicht
„Dass es am Energiemarkt in den letzten fünf Jahren turbulent
zugegangen ist, zeigt sich am Auf und Ab der unterschiedlichen
Angebote für Endkund:innen, aber auch an der Preisentwicklung. Die
Preissituation reflektiert die verschiedenen Umbrüche der letzten
fünf Jahre.“, erläutert Wolfgang Urbantschitsch eine Situation, die
wohl jede Konsument:in während der letzten fünf Jahre in der eigenen
Geldbörse bemerken musste. Und weiter: „Heute beobachten wir
wesentlich volatilere Preisentwicklungen im Vergleich zu den Jahren
von 2015 bis 2020.“ Ein Teil der Volatilität war durchaus
vorherzusehen, aber die aktuelle geopolitische Situation verstärkt
diese noch.
Zwtl.: Nicht nur eine Krise, sondern gleich zwei
In den letzten fünf Jahren galt es, gleich zwei Krisen zu
bewältigen, die beide prägende Einschnitte am Energiemarkt gebracht
haben: Zunächst die Covid-Pandemie, die dazu führte, dass der
Energieverbrauch aber auch die Preise massiv gesunken sind, und im
Februar 2022 löste der russische Angriffskrieg auf die Ukraine eine
Energiepreiskrise in ganz Europa aus. „Erste Preisauswirkungen haben
wir aber bereits Mitte 2021 gesehen. Zu dem Zeitpunkt hatte das
strategische Zurückhalten von russischen Gaslieferungen bereits
spürbare Effekte auf die Großhandelsmärkte. Zunächst wurde vor allem
Gas deutlich teurer, in Folge auch Strom. Ende 2021 und insbesondere
mit dem Beginn des Krieges im Februar 2022 stiegen die Preise im
Sommer rasant – aber nur kurzfristig – auf über 600 EUR/MWh für Strom
und über 200 EUR/MWh für Gas an. An einzelnen Handelstagen kam es zu
einer Verzehnfachung des üblichen Preises am Terminmarkt, da eine
allgemeine Gasmangellage befürchtet wurde. Die Spitze wurde im August
2022 erreicht.“, blickt Urbantschitsch auf schwierige Zeiten zurück.
Die Situation an den Märkten beruhigte sich erst im Laufe des
Jahres 2023 wieder: Neue Lieferwege für Gas wurden etabliert, indem
Flüssiggasterminals in Europa neu aufgebaut bzw. erweitert wurden.
Der historische Ost-West-Gasfluss kam in diesem Zusammenhang nahezu
vollständig zum Erliegen und verläuft heute durch den Stopp
russischer Gasimporte im Dezember 2024 in umgekehrter Richtung. LNG-
Importe und mehr Pipeline-Gas aus Norwegen, Afrika sowie Zentralasien
konnten ausgefallene russische Lieferungen kompensieren.
„Aktuell gibt es neuerlich eine Beunruhigung der Energiemärkte.
Die Gaspreise liegen aktuell etwa bei 50 Ꞓ/MWh. Das hat kurzfristig
noch wenig Einfluss auf die Strompreise. Sollten aber die Gaspreise
auch im kommenden Winter höher bleiben als zuletzt, so ist hier mit
wesentlichen Auswirkungen auch auf den Strompreis der Haushalte zu
rechnen. Die nächsten Wochen werden wohl entscheidend sein, ob dieses
Szenario eintritt oder nicht.“, wirft Urbantschitsch einen Blick in
die Zukunft, bevor er weiter Bilanz zieht.
Zwtl.: Es wurde viel getan, um die Preise zu stabilisieren
Die oben erwähnten Entwicklungen stabilisierten auch den
Stromgroßhandel. Vor Ausbruch des Krieges im Nahen Osten lagen die
Preise für Year-Ahead Base-Produkte bei unter 90 EUR/MWh für Strom
und etwa 35 EUR/MWh für Gas. „Diese Preise waren zwar noch über dem
Vorkrisenniveau, stellten im Großhandel im Vergleich zu den letzten
Jahren aber eine Normalisierung dar. Derzeit sieht die Lage leider
wieder anders aus.“, bedauert Urbantschitsch.
Zwtl.: Mehr Auf als Ab bei den Preisen
Weil Strom- und Gaslieferanten in der Krise zu deutlich höheren
Preisen einkaufen mussten, wurden diese Extrakosten weitergegeben,
was auch bei den Endkund:innen zu erheblichen Preissteigerungen
führte. Preise für Neukundenangebote stiegen zu Beginn der Krise
extrem an und erreichten im September und Oktober 2022 ihr Maximum.
„Laut dem Tarifkalkulator der E-Control kostete das günstigste
Neukundenangebot für Strom über 42 Cent/kWh und für Gas über 25
Cent/kWh für den Energieanteil. Die Bestandskundenverträge waren
aufgrund einer verzögerten Preisanpassung und der längerfristigen
Beschaffung in der Hochphase der Krise daher günstiger als
Neukundenangebote, was den Wettbewerb auf dem Endkundenmarkt weiter
einschränkte. Die Preissprünge der Energiepreiskrise von 2022 wirkten
sich hier zwar nicht derart direkt aus, beeinflussen aber dafür Jahre
später noch die Preise vieler Kund:innen.“, erläutert Urbantschitsch
die vergangene Preissituation. Der Preis für Bestandskundenverträge
stieg bei den großen Lieferanten ab Anfang 2023 deutlich an. Diese
erreichten erst verzögert, im April 2023, mit durchschnittlich knapp
24 Cent/kWh für Strom und 12 Cent/kWh für Gas Höchststände.
Zwtl.: Unterstützung auf Zeit
Um die enormen Preisausschläge für Energie abzufedern und die
Kund:innen finanziell zu entlasten, ergriff die österreichische
Regierung eine Reihe von Maßnahmen. Dazu gehörten die Senkung der
Energieabgaben und der Stromkostenzuschuss, der den Arbeitspreis bis
zu einem Verbrauch von maximal 2.900 kWh mit bis zu 30 Cent/kWh
unterstützte.
„Diese schwierigen Zeiten, vor allem auch was die Preise für
Endkund:innen betrifft, haben wir im Moment zwar hinter uns gelassen.
Derzeit sehen wir sowohl für Neukund:innen als auch für
Bestandskund:innen wieder deutlich attraktivere Preise. Geopolitische
und klimatische Instabilitäten sowie die Transformation des
Energiesystems werden aber auch in den kommenden Jahren die Preise
beeinflussen und zu Volatilitäten führen. Ein Faktor wird dabei auch
sein, wie lange der Krieg im Nahen Osten andauert. Die beste Option
für Kund:innen bleibt weiterhin, Einsparpotenziale wahrzunehmen,
ihren Energieverbrauch im Auge zu behalten und regelmäßig den Strom-
oder Gasanbieter zu wechseln.“, rät Urbantschitsch einmal mehr.
Zwtl.: Krise traf auch die Angebote
Nicht nur die Preise selbst, sondern auch die Anzahl der Anbieter
und das Produktangebot für Neukund:innen wurden von der Energiekrise
stark beeinflusst. 2020 und 2021 erreichte die Anzahl der
österreichweit anbietenden Lieferanten einen Höchststand. Bei Strom
gab es über 55 Lieferanten, die Neukundenprodukte anboten, bei Gas
mehr als 25. „Mit der aufkommenden Krise reduzierte sich die Anzahl
der Lieferanten allerdings schlagartig. Viele große Lieferanten zogen
sich rein auf „ihre“ lokalen Netzgebiete zurück. Bereits Ende 2021
gab es österreichweit nur noch zehn Gaslieferanten. 2022 sank die
Anzahl weiter auf drei. Der österreichweite Wettbewerb auf dem
Gasmarkt kam dadurch faktisch zum Erliegen. Eine ähnliche Entwicklung
zeigte sich bei Strom: Anfang 2022 zogen sich zahlreiche Lieferanten
aus dem österreichweiten Wettbewerb zurück, sodass nur noch 20
Lieferanten verblieben. Ende 2022 sank die Zahl weiter auf unter
15.“, erinnert sich Urbantschitsch an herausfordernde Zeiten.
Zwischen 2021 und 2023 zogen sich insgesamt 14 Strom- und 11
Gaslieferanten vollständig aus dem Endkundengeschäft zurück. Die Zahl
der österreichweit anbietenden Lieferanten erholte sich nur langsam
und liegt weiterhin unter dem Vorkrisenniveau. Ende 2025 gab es rund
40 österreichweit anbietende Stromlieferanten, mehr als ein Viertel
weniger als noch Anfang 2021. Mehr als 15 „potenzielle“
Stromlieferanten, die bereits österreichweit tätig waren, sind bisher
nicht wieder auf den österreichweiten Markt zurückgekehrt. Bei Gas
gibt es Ende 2025 15 österreichweite Lieferanten und damit fast die
Hälfte weniger als Anfang 2021, sowie sieben potenzielle Lieferanten.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der
Neukundenangebote im Tarifkalkulator. Durch die Krise verringerte
sich das Angebot für Kund:innen erheblich. 2021 konnten
österreichische Kund:innen noch aus über 150 Strom- und fast 140 Gas-
Neukundenangeboten wählen. Bis Mitte 2022 fiel das Angebot jedoch auf
rund 20 bei Strom und 10 bei Gas. „Während sich das Produktangebot
für Neukund:innen bei Strom in den Folgejahren, auch durch die
Ausweitung von Spotmarkt- und Floaterprodukten, dem Vorkrisenniveau
annäherte, stehen bei Gas auch Ende 2025 nur etwa 60
Neukundenangebote zur Verfügung. Die Anzahl an Neukundenprodukten hat
sich bei Gas somit auf rund ein Drittel des ursprünglichen Angebotes
reduziert.“, bedauert Urbantschitsch.
Zwtl.: Wettbewerbsprobleme haben sich verschärft
Die Energiekrise hat bestehende Wettbewerbsprobleme auf dem
österreichischen Endkundenmarkt verschärft, was sich – wie erwähnt –
an der reduzierten Auswahl an österreichweit anbietenden Lieferanten
und Neukundenprodukten bemerkbar gemacht hat.
Eine Taskforce, die gemeinsam mit der Bundeswettbewerbsbehörde
ins Leben gerufen wurde, sollte die Wettbewerbssituation in und nach
der Krise im Detail bewerten. Nach zwei Zwischenberichten wurde im
Juni 2025 der Abschlussbericht veröffentlicht und die Arbeit der
Taskforce vorerst abgeschlossen. Dabei wurden wichtige (
krisenbedingte und strukturelle) Wettbewerbseinschränkungen am
österreichischen Strom- und Gasmarkt festgestellt und Empfehlungen
erarbeitet.
Zwtl.: Viel Luft nach oben bei den Wechselzahlen
Nachfrageseitig gibt es in Österreich nur einen geringen
Wettbewerbsdruck, denn die Wechselraten liegen im europäischen
Vergleich im unteren Drittel. In der Krise führten fehlende
Einsparpotenziale kurzfristig zu einem starken Rückgang der
Wechselraten, bevor es wieder attraktiver wurde, zu günstigeren
Neukundenprodukten zu wechseln. Die Wechselrate der letzten beiden
Jahre war bei Strom höher als vor der Krise, was aus Wettbewerbssicht
positiv zu beurteilen ist. Bei Gas gab es 2021 und 2022 ebenfalls
einen Einbruch, gefolgt von einem Anstieg im Jahr 2023; seitdem liegt
die Wechselrate etwas unter dem Vorkrisenniveau. Im Jahr 2025
wechselten 5,4% der Kund:innen ihren Strom- und 6,3% ihren
Gaslieferanten. „Bei der Wechselrate sehen wir nach wie vor viel Luft
nach oben. Aber nachdem in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026
einige Unternehmen Preissenkungen angekündigt haben, erwarten wir
uns, dass die Dynamik beim Lieferantenwechsel weiter zunimmt. Ein
Vergleich der Strom- und Gastarife bleibt enorm wichtig. Mehrere
hundert Euro im Jahr können beim Wechsel des Strom- und Gasanbieters
nämlich sehr einfach eingespart werden.“, betont Urbantschitsch
einmal mehr.
Zwtl.: E-Control gab Konsument:innen Stabilität
Die Krisen der vergangenen Jahre hatten Einfluss auf viele
Bereiche, auch innerhalb der E-Control. So war die Arbeit der
Beratungsstelle der E-Control ebenfalls maßgeblich durch die
Entwicklungen bzw. Verwerfungen auf den Energiemärkten geprägt.
Bereits am Ende des Jahres 2021 machten sich steigende Gaspreise bei
den Haushalten bemerkbar, die sich zur Beratung, aber auch mit
Beschwerden, an die Beratungsstelle wandten. Die Konsument:innen
waren zum Beispiel auf der Suche nach günstigeren Angeboten oder
verlangten Aufklärung über die Preisgestaltungsmöglichkeiten ihrer
Gaslieferanten.
Ab dem Jahr 2022 war die Energiepreiskrise auch in der Sparte
Strom bemerkbar und die Beratungskontakte vervielfachten sich. Einige
Energielieferanten, darunter auch große
Energieversorgungsunternehmen, sprachen ihren Kund:innen gegenüber
Kündigungen aus und legten neue Verträge vor, um so Preiserhöhungen
durchzusetzen.
„Die Rekordzahlen an Beratungen bei der E-Control des Jahres 2022
wurden im Jahr 2023 noch einmal übertroffen. Unglaubliche 42.700
Beratungskontakte wurden abgewickelt. Zu diesem Zeitpunkt waren die
Preiserhöhungen bei fast allen Haushalten angekommen und die
Beratungsstelle unterstützte auch viele Haushalte und kleinere
Gewerbe, die mit Zahlungsschwierigkeiten konfrontiert waren oder
denen bereits eine Abschaltung angedroht wurde. Die teilweise
signifikanten Preissprünge bei den Strom- und Gaspreisen wurden durch
Unterstützungsmaßnahmen der damals amtierenden Bundesregierung
gedämpft. Auch zu diesen Maßnahmen und vor allem deren rechtmäßigen
Umsetzung wurden zahlreiche Fragen an die Beratungsstelle gestellt.
Eines steht fest – in unsicheren Zeiten war die E-Control DIE
Konstante für die Konsument:innen.“, erinnert sich Urbantschitsch an
die Zeiten extrem hoher Arbeitsbelastung bei den Kolleg:innen der
Beratungsstelle.
Zwtl.: 2024 ist erstmals wieder Beruhigung eingetreten
Erst ab dem Jahr 2024 zeichnete sich – auch bei der
Beratungsstelle – wieder Beruhigung ab. Wie erwähnt wurde die
Angebotslandschaft der Energielieferanten wieder attraktiver.
„Vielleicht machte sich mitunter auch ein gewisser Gewöhnungseffekt
an das höhere Preisniveau bemerkbar. Nichtsdestotrotz kämpften immer
noch viele Haushalte mit den deutlich höheren Preisen und das Angebot
der Beratungsstelle wurde immer noch stark genützt.“, so
Urbantschitsch. Ihm ist aber bewusst, dass natürlich auch die
Kundenservices der Energielieferanten und Netzbetreiber in dieser
Zeit mit einem erhöhten Anfrage- und Beschwerdevolumen zu tun hatten.
„Viele Beschwerden, die an die Beratungsstelle der E-Control
herangetragen wurden, bemängelten auch die schlechte Erreichbarkeit
der eigenen Vertragspartner.“, erläutert er dazu.
Zwtl.: Der Februar 2022 hat tiefe Einschnitte gebracht
Schon der Beginn der aktuellen Vorstandsperiode hat mit
steigenden Strom- und Gaspreisen begonnen. „Wirklich dramatische
Einschnitte hat allerdings der 24. Februar 2022 gebracht. Der Beginn
des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat ganz Europa in eine
tiefe Krise gestürzt. Mit diesem Tag wurde auch in der E-Control der
Krisenstab einberufen und das interne Krisenteam wurde in Folge für
mehr als zwei Jahre aktiv gehalten.“, erinnert sich der Vorstand der
E-Control, Alfons Haber, an schwierige Zeiten.
Historisch betrachtet war Österreich ein Erdgastransitland für
russisches Gas in die europäischen Nachbarstaaten. In
Transportleitungen mit sehr hohen Kapazitäten wurden Gasmengen aus
dem Osten von Russland, über die Ukraine und über die Slowakei im
österreichischen Gasnetz Richtung Deutschland (und weiter nach
Frankreich), Italien und auch in Richtung Ungarn und Slowenien
durchgeleitet. „Das österreichische Gasnetz wurde entsprechend den
Gasflüssen von Ost nach West ausgebaut. Große Speicherkapazitäten
sorgten für einen Ausgleich des unterschiedlichen Gasverbrauchs in
den Sommer- und Wintermonaten – bei gleichbleibenden Transportflüssen
aus dem Osten. Diese Speicherkapazitäten wurden im letzten Jahrzehnt
stark ausgebaut – auch auf Initiative von russischen
Gasunternehmen.“, gibt Haber einen Einblick in historische
Entwicklungen.
Zwtl.: Gasflüsse haben sich massiv geändert
Die Gasflusssituation in Europa und in der EU hat sich in den
letzten vier Jahren, also von 2022 bis 2025, drastisch geändert. Der
Anteil der russischen Pipelinegaslieferungen in die EU am
Gesamtverbrauch in der EU ist laut der Europäischen Kommission von
mehr als 40% im Jahr 2021 auf rund 12% im Jahr 2025 gesunken.
„Betrachtet man die gesamten Gasimporte in die EU, also sowohl über
Leitungen in gasförmigem als auch LNG in flüssigem Zustand, so sieht
man, dass der Hauptgaslieferant der Importe von über 300 Mrd m³ in
die EU im Jahr 2025 Norwegen war, gefolgt von den USA, die sogar mehr
lieferten als die etwa gleichauf liegenden Exportländer Algerien und
Russland zusammen.“, erläutert Haber.
Zwtl.: Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Gasversorgung
Neben den Marktteilnehmern, die auf die geänderte Markt- und
Versorgungssituation zum großen Teil angemessen reagiert haben, gab
und gibt es auch von Seiten der Behörden rechtliche Maßnahmen, die
zur Aufrechterhaltung der Gasversorgungssicherheit maßgeblich
beitragen. „In ihrer Rolle beim Monitoring des Marktes und der
Versorgungssicherheit sowie der Vorbereitung auf Krisenszenarien
nimmt die E-Control dabei wichtige Aufgaben wahr. Und diese Aufgaben
haben wir während der Krise selbstverständlich umfassend
ausgeführt.“, betont Haber.
Zwtl.: Einführung der strategischen Gasreserve
Die strategische Gasreserve in Österreich wurde im Frühjahr 2022
als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und die
daraus resultierende Gefahr von Lieferengpässen eingeführt. „Ihr
Hauptziel war es, die Versorgungssicherheit, insbesondere für
Haushalte und soziale Einrichtungen, auch bei einem Wegfall der
russischen Gasimporte zu gewährleisten und hat sich aus unserer Sicht
durchaus bewährt. Eine Sicherstellung der Gasversorgung war zum
damaligen Zeitpunkt Priorität.“, ist Haber überzeugt. Insgesamt
wurden mit der strategischen Gasreserve 20 TWh eingelagert.
Zwtl.: Einführung weiterer Maßnahmen als Anreiz zur Speichernutzung
Zusätzlich zur Einführung der strategischen Gasreserve wurden
noch weitere Maßnahmen zur Beanreizung der Gasspeichernutzung
umgesetzt. Diese reichten von sogenannten immunisierten
Gasspeichermengen über strengere Vorgaben zur Erfüllung des
Gasversorgungsstandards bis hin zu einer Speicherverpflichtung für
Gaskraftwerke.“, erläutert Haber weitere Aktivitäten während der
Krisenzeit.
Zwtl.: Umsetzung eines „Maßnahmenrechners“ durch die E-Control
Neben dem permanenten Monitoring der aktuellen
Versorgungssicherheit, hat die E-Control ein eigenes Simulationstool
zur Abschätzung der Gasversorgungssicherheit in der Zukunft
entwickelt – den sogenannten Maßnahmenrechner. „Dieser
Maßnahmenrechner ist ein Berechnungstool für verschiedenste Szenarien
im Gasbereich. Hier simulieren wir einen Zeitraum von zwei, in der
Zukunft liegenden Jahren auf Basis historischer Daten mit stärkerer
Gewichtung der jüngeren Vergangenheit. Zudem werden Informationen aus
den Abstimmungen der Mitgliedstaaten auf europäischer Ebene
berücksichtigt.“, erläutert Haber das Tool. Und weiter:
„Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass sich der Gasverbrauch in den
kommenden Jahren schrittweise reduzieren wird. Und aus der Erfahrung
haben wir gelernt, wie wichtig eine Diversifizierung der
Importquellen und –routen ist, um die Abhängigkeiten der EU von
einzelnen Lieferländern gering zu halten.“
Zwtl.: Nicht nur der Gasbereich war betroffen
„In der E-Control waren aber natürlich nicht nur die Kolleg:innen
aus der Gasabteilung gefordert, vielmehr musste auch immer die
Stromversorgung im Blick behalten werden. Schließlich war das
Stromsystem ebenfalls von den Entwicklungen im Gasbereich nach dem
russischen Angriff auf die Ukraine betroffen.“, betont Haber. Und er
erläutert dazu, dass die Versorgung der Gaskraftwerke mit Strom vor
allem auch im Winterhalbjahr sicherzustellen war. Die E-Control hat
das bereits davor sehr gut entwickelte Krisenmanagement an die neuen
Herausforderungen angepasst. Und Haber im Zusammenhang mit den
Krisenjahren: „Dass es gelungen ist, sowohl die Strom- als auch die
Gasversorgung ununterbrochen sicherzustellen, ist einerseits auf
jahrelange Vorbereitungen zurückzuführen, aber vor allem auch auf die
Anstrengung und der guten Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Das
hat sich einmal mehr gezeigt, als mit 1. Jänner 2025 tatsächlich kein
Gas mehr über die Ukraine nach Österreich gekommen ist, die
Versorgung aber durchgehend gegeben war.“
Zwtl.: Starke Netze unerlässlich
Die vergangenen fünf Jahre waren eine enorme Belastungsprobe –
für Endkund:innen, aber auch für die Unternehmen und die Industrie
und nicht zuletzt für all jene, die mit der Abarbeitung all dieser
Themen beschäftigt waren. Und sie waren auch ein Stresstest für unser
Energiesystem. Und dieser Test hat vor allem eines gezeigt: Ohne
leistungsfähige Netze gibt es keine Versorgungssicherheit, keine
Energiewende und ein hohes Preisrisiko.“, betont Haber.
Ein Blick auf die Entwicklung der Investitionen in Stromverteiler
– und Übertragungsnetze zeigt deutlich, wie stark der Handlungsdruck
gestiegen ist. „So haben sich die Investitionen in unser Stromnetz
zwischen 2020 und 2025 zu den Vorjahren deutlich erhöht.“, so Haber.
Und er rechnet dazu vor: „Für den Zeitraum von 2025 bis 2034 sind
nach Auskunft der Netzbetreiber 19,7 Mrd. Euro für die Verteilernetze
und 9,8 Mrd. Euro für das Übertragungsnetz, also insgesamt 29,5 Mrd.
Euro Investitionen geplant. Das bedeutet mehr als eine Verdoppelung
der Gesamtinvestitionen gegenüber dem Vergleichszeitraum der
vergangenen 10 Jahre.“
Zwtl.: Die Gründe dafür sind klar….
Warum ein derartiger Ausbau notwendig ist, liegt auf der Hand.
Dieser liegt einerseits in der kommenden Elektrifizierung von
Industrie, Mobilität und Wärme. Der Ausbau erneuerbarer Energie
erfordert andererseits ebenfalls leistungsfähige Netze. Allein in den
vergangenen fünf Jahren wurden 500.000 PV-Anlagen an das Stromnetz
angeschlossen. Mit den Investitionen werden künftige Verbräuche und
die Einspeisung dezentraler Erzeugungen ermöglicht. „Österreich zählt
weiterhin zu den Ländern mit der höchsten Versorgungssicherheit und
das soll auch so bleiben.“, betont Haber.
Zwtl.: …müssen aber auch finanziert werden.
Die Kehrseite dieser Investitionen sind derzeit steigende
Stromnetzentgelte, da die Kosten für den Ausbau fast gänzlich durch
die Entnehmer zu tragen waren und auch durch die verstärkte
Eigenerzeugung die Entnahmemengen gesunken sind. Zudem trug die
Inflation zu weiteren Kostensteigerungen beim laufenden Betrieb bei.
All dies führte dazu, dass das durchschnittliche Netzentgelt für
Haushalte in der Höhe von 5,44 Cent/kWh im Jahr 2020 auf 9,28
Cent/kWh im Jahr 2025 (also rund 70% in fünf Jahren) gestiegen ist.
„Mit dem neuen ElWG wird es zwar möglich sein, mit einem neuen
Verrechnungssystem für Haushalte die Mengenentwicklungen zu
stabilisieren, da der reine kWh-Verbrauch an Bedeutung bei der
Verrechnung verlieren wird. Es ist aber auch weiterhin mittelfristig
mit Tarifsteigerungen zu rechnen. Aber selbstverständlich wird die E-
Control sehr genau auf die Kosteneffizienz achten.“, bereitet Alfons
Haber auf die künftigen Entwicklungen bei den Netzentgelten vor.
Zwtl.: Beim Gasnetz warten große Herausforderungen
Während die Stromnetze massiv ausgebaut werden, befinden sich die
Gasnetze in einer Phase der Konsolidierung und strategischen
Neuausrichtung. Die letzten fünf Jahre waren für den Gasbereich
besonders herausfordernd, und zwar durch massive Preissteigerungen,
starke Verbrauchsrückgänge sowie Unsicherheiten über die künftige
Rolle von Gas.
„Sinkende Absatzmengen verteilen die Netzkosten auf weniger
Verbrauch – das führt zu höheren Gasnetzentgelten. Gleichzeitig
mussten in der Krise die Versorgung abgesichert und Speicher befüllt
werden.“, betont Haber.
Insbesondere bei den Transitnetzen kam es zu einem fast
kompletten Wegfall der bisherigen Transportleistungen. Die großen
Gastransitmengen von Baumgarten in Niederösterreich in Richtung
Arnoldstein an der Grenze zu Italien sind de facto nicht mehr
gegeben. In Summe hat sich der Österreich-Durchschnittspreis für
einen Musterhaushalt von 1,6440 Cent/kWh im Jahr 2020 auf 2,3493
Cent/kWh im Jahr 2026 erhöht, also rund 43% in sechs Jahren.
Zwtl.: Energiesystem wird transformiert
In den letzten fünf Jahren ist die Weiterentwicklung des
Stromsystems intensiv vorangetrieben worden. Im Bereich Netzanschluss
hat die E-Control beispielsweise in den vergangenen Jahren zentrale
Weichen für die Integration erneuerbarer Energien gestellt und den
regulatorischen Rahmen weiterentwickelt. „Angesichts des seit 2022
stark gestiegen Interesses an Photovoltaik-Anlagen hat die E-Control
Regelungen zu Netzzutritt und Netzzugang präzisiert, die
Standardisierung und Digitalisierung der Anschlussprozesse bei
Verteilernetzbetreibern vorangetrieben und ein quartalsweises
Monitoring etabliert. Mit dem Aktionsplan Netzanschluss wurden
Herausforderungen systematisch aufgearbeitet, konkrete Maßnahmen zur
Beschleunigung von Netzanschlüssen, insbesondere für
Photovoltaikanlagen im Niederspannungsnetz, definiert und die
Transparenz über Fortschritte und Engpässe erhöht. Damit wurde ein
weiterer wesentlicher Beitrag zur sicheren, effizienten und
zeitgerechten Integration neuer Stromerzeugungs- und
Verbrauchsanlagen in das österreichische Stromnetz geleistet.“, ist
Haber von der Sinnhaftigkeit der Maßnahmen überzeugt. In den
vergangenen fünf Jahren sind beinahe 8 GW PV, allerdings nur etwas
über 1 GW an Windkraft zugebaut worden.
Der Ausbau der Erneuerbaren kann seit 2021 durchaus als Erfolg
bezeichnet werden. So konnte die installierte Leistung von
Erneuerbaren bis Ende 2024 deutlich gesteigert werden. In Summe ergab
sich verglichen mit 2021 ein Zubau (netto) von 6.918 MW, wobei hier
Pumpspeicherkraftwerke sowie thermische Kraftwerke nicht inkludiert
wurden. Auch die erzeugten erneuerbaren Mengen konnten in diesem
Zeitraum um 14.896 GWh gesteigert werden. Dies spiegelt den
steigenden Einfluss von guten oder vergleichsweise schlechten Wasser-
, Wind- und Sonnenjahren wider.
Zwtl.: Energiegemeinschaften werden immer beliebter
„Das Interesse an Energiegemeinschaften nimmt immer weiter zu,
und zwar sowohl was die Gründung als auch die Teilnahme betrifft. So
waren Mitte 2025 bereits 3.868 Erneuerbare-Energiegemeinschaften (
EEGs) in Betrieb. Und wir gehen davon aus, dass diese Zahl
mittlerweile weiter deutlich angestiegen ist.“, zeigt sich Haber
erfreut.
Neben den EEGs gab es Mitte 2025 noch 737
Bürgerenergiegemeinschaften (BEGs) und 5.043 Gemeinschaftliche
Erzeugungsanlagen (GEAs). Die meisten Gemeinschaftlichen
Erzeugungsanlagen gibt es im Netzgebiet Oberösterreich mit 1.197,
gefolgt von Tirol mit 663 GEAs.
Zwtl.: Neues Vorstandsduo steht vor neuen Herausforderungen
Mit 24. März endet die Vorstandsperiode des Vorstands in der
bestehenden Zusammensetzung, ab 25. März steht ein neues Vorstandsduo
an der Spitze der E-Control. „Dass die vergangenen fünf Jahre sehr
herausfordernd waren, haben wir bereits mehrfach erwähnt. Aber auch
die kommenden Jahre werden nicht minder spannend. Mit Ende 2025 ist
das von allen Beteiligten lang ersehnte neue
Elektrizitätswirtschaftsgesetz beschlossen worden und in großen
Teilen sofort in Kraft getreten. Dieses sieht für die E-Control eine
Reihe von neuen Aufgaben und Kompetenzen vor und es gilt nun, alle
Pflichten zeitnah umzusetzen. Und wir haben damit auch längst
begonnen. Eines wird sich aber auch in Zukunft nicht ändern – es
braucht auch weiterhin eine so starke, unabhängige
Regulierungsbehörde, um allen Aufgaben in gewohnt professioneller
Weise gerecht werden zu können.“, betont Alfons Haber abschließend.