Wien (OTS) – Die Tafel Österreich präsentierte heute die neue
„Allianz gegen
Lebensmittelverschwendung und Armut“. Der Sozial- und Umweltverein
setzt gemeinsam mit großen Playern aus Handel, Gastronomie,
Industrie, Landwirtschaft, Logistik, Sozial- und Kommunalbereich ein
starkes Zeichen für mehr Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung
entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette. Die Patronanz
der Allianz übernimmt die renommierte Nachhaltigkeitsökonomin Sigrid
Stagl, die damit die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung
des Vorhabens unterstreicht.
Alexandra Gruber , Geschäftsführerin Die Tafel Österreich: „ Seit
1999 kämpfen wir gegen Lebensmittelverschwendung und Ernährungsarmut
in diesem Land an. Aber mehr als 1 Million Tonnen Lebensmittel im
Müll und 1,5 Millionen Menschen, die von Armut und sozialer
Ausgrenzung bedroht sind, sprechen eine klare Sprache: Es gibt noch
sehr viel zu tun. Eine Trendumkehr können wir als Verein nicht allein
schaffen, sondern nur, wenn alle an einem Strang ziehen und uns klar
zu nachhaltigen Zielen bekennen. Deshalb haben wie die Allianz gegen
Lebensmittelverschwendung und Armut ins Leben gerufen. Wir sind
überwältigt, dass schon zum Start so viele bedeutende Unternehmen und
Organisationen mit an Bord sind. Die Beteiligung zeigt klar: Die
Kluft zwischen Überfluss und Bedarf zu beseitigen, ist vielen in
diesem Land ein Anliegen. “
Ziel der Allianz ist es, konkrete Lösungen zur Reduktion von Food
Waste zu entwickeln, Lebensmittelüberschüsse effizienter zu nutzen
und gleichzeitig Ernährungsarmut gezielt zu bekämpfen. Dieser Ansatz
entspricht nicht nur den SDGs, sondern auch den Vorgaben der EU Waste
Framework Directive sowie der EU Anti-Poverty Strategie. Innovativen
Charakter hat die Allianz durch ihr ganzheitliches Nachhaltigkeits-
Verständnis und ihre Strategie der engen Zusammenarbeit entlang der
gesamten Wertschöpfungskette – noch nie gab es eine so breit
gefächerte und umfassende Plattform für mehr ökologische, ökonomische
und zugleich soziale Nachhaltigkeit in Österreich.
Alle Mitglieder bringen ihre Expertise aus unterschiedlichen
Bereichen ein, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, Armut zu
bekämpfen, Bewusstsein zu schaffen und strukturelle Verbesserungen
entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erreichen. Durch den
Dialog der Stakeholder untereinander, aber auch durch die
Multiplikator:innenfunktion der Mitglieder sollen alle Menschen in
Österreich erreicht und dazu ermutigt werden, sich in ihrem eigenen
Umfeld gegen Lebensmittelverschwendung und Armut zu engagieren.
Martin Frick , Direktor Deutschland, Österreich und
Liechtenstein, United Nations Welternährungsprogramm (WFP): „
Lebensmittelverschwendung ist ein Kollateralschaden unserer
globalisierten Ernährungssysteme und ein ökologisches wie ethisches
Versagen. Während über 300 Millionen Menschen nicht wissen, woher sie
die nächste Mahlzeit bekommen, landet ein Drittel aller Lebensmittel
im Müll. Hunger ist keine Frage der Produktion, sondern der gerechten
Verteilung. Klar ist, Ernährungssysteme müssen so verbessert werden,
dass sie auch die Menschen mitdenken, die wenig haben oder Hunger
leiden. Lebensmittelverschwendung ist eines der wenigen globalen
Probleme, zu dessen Lösung wirklich jede und jeder etwas beitragen
kann – vom Feld bis zum Kühlschrank. Hier setzt diese Allianz an: Sie
bringt Akteure zusammen, die zeigen, dass verantwortungsvolle
Lebensmittelwirtschaft, soziale Solidarität und ökologische
Nachhaltigkeit keine Gegensätze sind – sondern der einzige Weg in
Richtung zukunftsfähiger Ernährungssysteme.“
Zwtl.: Alle Glieder der Wertschöpfungskette an Bord
Die Landwirtschaft ist die Wiege der Kreislaufwirtschaft.
Gesundes Obst und Gemüse für Menschen, die an Ernährungsarmut leiden,
sind ebenso Themen wie Ressourcenverbrauch, Regionalität und
Saisonalität. Umso bedeutsamer ist es, den Agrarbereich von Anfang an
in der Allianz zu wissen. Für Die Tafel Österreich ist die
Lebensmittelrettung aus der Landwirtschaft ein noch relativ junger
Bereich – doch schon 2025 konnten allein hier 300 Tonnen (+50 %)
Frischware akquiriert werden.
Irene Neumann-Hartberger , Bundesbäuerin und Vizepräsidentin der
LK Österreich: „ Aktiv gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen,
ist ein Lernprozess, der bereits im Kindesalter beginnen sollte. Er
beruht auf einem wertschätzenden Umgang mit unseren Lebensmitteln und
auf dem Wissen darüber, wie sie erzeugt werden, woran man heimische
Qualität erkennt, wie man sie richtig lagert und schließlich zu
schmackhaften, gesunden Mahlzeiten verarbeitet. Diese Lernziele
vermitteln die heimischen Seminarbäuerinnen seit drei Jahrzehnten
erfolgreich, sowohl Schüler:innen aller Altersstufen als auch
Erwachsenen in ihren Kochkursen. Auch bei Schule am Bauernhof ist
dieser Bildungsansatz ein zentraler Bestandteil. Aus unserer Sicht
braucht es insgesamt mehr Wissensvermittlung über Landwirtschaft,
Ernährungs- und Konsumbildung – also über die grundlegende
Kulturtechnik des Kochens und Haushaltens .“
Ein wesentlicher Faktor in der Wertschöpfungskette ist der
Handel. Notabene: Die Lebensmittelabfälle aus dem Handel sind seit
Jahren rückläufig. Das hat gute Gründe – Stichwörter: bessere
Planung, Bewusstseinsbildung. Dennoch ist der Handel mit seinem
dichten Filialnetzwerk noch immer ein ganz wesentlicher Player im
Bereich der karitativen Lebensmittelweitergabe.
Rainer Will , Geschäftsführer Handelsverband Österreich: „ Der
heimische Lebensmittelhandel ist seit vielen Jahren ein wichtiger
Partner in der Weitergabe überschüssiger Lebensmittel an
armutsbetroffene Menschen. Gemeinsam mit der Tafel Österreich haben
wir in den vergangenen 25 Jahren Erfahrungen in der
Lebensmittelweitergabe gesammelt und unsere Prozesse verbessert, um
Lebensmittelverluste im Handel zu reduzieren. Mittlerweile ist unsere
Branche nur noch für 7 % der Lebensmittelabfälle verantwortlich – und
spendet jährlich rund 22.000 Tonnen Lebensmittel an
Sozialorganisationen wie Die Tafel Österreich.“ Will sieht dennoch
weiterhin Handlungsbedarf: „Lebensmittelverschwendung bleibt eine
gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Auch wir tragen
Verantwortung und wollen unser Fachwissen stärker in Maßnahmen zur
Reduktion von Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten
Wertschöpfungskette einbringen. Nur durch gemeinsame Anstrengungen
von Wirtschaft, Politik und Konsument:innen kann
Lebensmittelverschwendung reduziert und soziale Unterstützung
verbessert werden. “
Massiv an Bedeutung gewonnen hat auch der Bereich der Außer-Haus-
Verpflegung. Neben Gastronomie, Hotellerie, Caterings und
Betriebsküchen sind auch Liefer-Dienste ein ernstzunehmender Faktor
in der Lebensmittelverschwendung.
Franz Tragner , United Against Waste: „ Seit vielen Jahren setzt
sich United Against Waste gegen Lebensmittelverschwendung in der
Außer-Haus-Verpflegung ein und erreicht dadurch ein sehr breites
Spektrum an Akteur:innen vom Küchenchef bis zum:r Konsument:in. Wir
haben viel erreicht, doch das Potenzial ist hier wie entlang der
gesamten Wertschöpfungskette immer noch enorm – und Ernährungsarmut
ist die zweite Seite derselben, wenig ruhmreichen Medaille. Mit der
Tafel Österreich verbindet uns bereits eine langjährige
Zusammenarbeit. Dass wir diesen gemeinsamen Weg nun in einer so breit
aufgestellten Allianz, die sich beiden Themen widmet, weitergehen,
ist sinnvoll und stimmt mich zuversichtlich, dass wir viel bewegen
können. “
Zwtl.: Politik und Privathaushalte gefordert
Mehr als 50 % der Lebensmittelabfälle entstehen in privaten
Haushalten. Durch den breit gefächerten Schulterschluss soll auch
eine gesellschaftliche Wirkung entstehen, die hier mehr Wissen und
Bewusstsein schafft. Ebenso braucht es mehr politisches Commitment –
denn die Rahmenbedingungen für die karitative Lebensmittelweitergabe
sind dringend verbesserungswürdig, für alle Parteien. Die Bündelung
von Wissen, Erfahrung und Handlungsmöglichkeiten verschiedener
Sektoren eröffnet hier eine nie dagewesene Chance, gemeinsam mehr zu
erreichen.
Bereits im Mai werden die Allianz-Mitglieder zu einem ersten
Summit in Wien zusammentreffen, um Herausforderungen, Ideen, konkrete
Lösungen und Best-Practice-Beispiele aus dem In- und Ausland zu
diskutieren und konkrete Umsetzungspläne zu schmieden.
Die Gründungsmitglieder der Allianz sind: ARA, Bäuerinnen
Österreich, Bauernbund, BOKU University, Circular Economy Forum
Austria, Danone, Forum Ernährung Heute, Handelsverband Österreich,
Impact Hub Vienna, Independent Logistics Society, Interzero, Kastner,
Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Lidl, Markenartikelverband,
MPreis, Nordex Food, ÖBOG, ÖHV, Ottakringer, REWE, Schärmer Miskovez,
Sodexo, Spar, Stadt Wien (MA 22, MA 39, MA 59), Stadtgemeinde
Traiskirchen, Agrarmarketing Tirol, United Against Waste, Verband der
Ernährungswissenschaften Österreichs, Zero Waste Austria.
Weitere Verbände, Institutionen, Unternehmen, denen das Thema
ebenfalls ein Anliegen ist, sind herzlich eingeladen, der Allianz
beizutreten. Weiterführende Informationen unter:
[email protected]
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