„Hochverarbeitete“ Lebensmittel im Faktencheck – Verarbeitung ist kein Gesundheitsrisiko

Wien (OTS) – Die neuen Studien des Fachjournals „The Lancet“ zu
hochverarbeiteten
Lebensmitteln (Ultra Processed Food – UTP) stehen in der Kritik. Sie
stufen verarbeitete Lebensmittel als Risiko für die Gesundheit ein
und schlagen weltweite Maßnahmen und Verbote vor. „Die Verarbeitung
von Lebensmitteln ist ein zentraler Bestandteil unserer Ernährung und
kein Gesundheitsrisiko. Sie macht Lebensmittel genießbar, sicher und
haltbar – und ermöglicht die Versorgung im modernen Alltag“ , erklärt
Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin im Fachverband der
Lebensmittelindustrie.

Zwtl.: Was bedeutet „hochverarbeitet“?

Eine einheitliche Definition gibt es weder in der EU noch
weltweit. Die EU-Rechtslage unterscheidet lediglich zwischen
„verarbeitet“ und „nicht verarbeitet“. Klassifikationen wie NOVA
stufen Lebensmittel nach dem Grad der Verarbeitung ein – oft mit
widersprüchlichen Ergebnissen. So gilt vorgeschnittenes Vollkornbrot
als „hochverarbeitet“, nicht aber Brot im Ganzen. Diese Einstufungen
sind wissenschaftlich umstritten und für Konsumentinnen und
Konsumenten wenig aussagekräftig.

Zwtl.: Warum Verarbeitung notwendig ist

Viele Lebensmittel sind in rohem Zustand ungenießbar (z. B.
unverarbeitetes Geflügelfleisch) oder sogar gesundheitsschädlich (z.
B. rohe Kartoffel). Erst durch Be- und Verarbeitung – etwa Mahlen,
Erhitzen oder Fermentieren – werden sie sicher und bekömmlich. Rohes
Getreide ist ungenießbar. Erst muss es zu Mehl gemahlen und dieses zu
Brot gebacken werden. Zudem verlängert Verarbeitung die Haltbarkeit
und ermöglicht eine breite Produktvielfalt. Ohne industrielle
Verarbeitung wäre die Versorgung der Bevölkerung nicht möglich.

Zwtl.: Lancet-Studien zu hochverarbeiteten Lebensmitteln sind
fachlich fragwürdig

Die Studien erkennen zutreffend, dass Übergewicht und Adipositas
weltweit zunehmen. Sie stellen jedoch „hochverarbeitete Lebensmittel“
als Hauptursache ernährungsbedingter Erkrankungen dar. Das ist
fachlich fragwürdig. Denn die im Lancet-Beitrag dafür verwendete NOVA
-Klassifikation ist wissenschaftlich hoch umstritten, da sie zum
Beispiel Energiedichte, Nährwertzusammensetzung, Portionsgrößen oder
auch die Textur eines Lebensmittels nicht berücksichtigt. Viele
Lebensmittel, die in Österreich als Teil einer ausgewogenen Ernährung
gelten, fallen dadurch völlig undifferenziert in die Kategorie
„hochverarbeitet“. Daher lehnen viele Behörden in Europa, etwa in
Frankreich , in den nordischen Ländern und in Großbritannien , es ab,
ihre Gesundheitspolitik mit dem Konzept der „ultra-verarbeiteten
Lebensmittel“ zu verknüpfen. Auch ist es allgemein anerkannt, dass
Übergewicht und Adipositas durch eine Vielzahl von Faktoren bedingt
sind. Sie umfassen neben einer unausgewogenen Ernährung auch
Bewegungsmangel, genetische Faktoren und einen insgesamt ungesunden
Lebensstil. Darüber hinaus werden die bisherigen Fortschritte der
Lebensmittelhersteller – wie Rezepturanpassungen durch
Kalorienreduktion – sowie die Entwicklung neuer, pflanzenbasierter
Produkte in den Studien nicht berücksichtigt.

Zwtl.: Verarbeitete Lebensmittel sind Teil einer ausgewogenen
Ernährung

Ob unverarbeitet oder verarbeitet: Entscheidend für die
Gesundheit sind Vielfalt und ausgewogene Mengen. Auch verarbeitete
Produkte wie Brot, Milch oder pflanzenbasierte Alternativen (z. B.
Soja- oder Haferdrinks) leisten einen wichtigen Beitrag zur
Ernährung. Moderne Verfahren helfen, Nährstoffe zu erhalten oder
sogar verfügbarer zu machen (z. B. vermehrte Freisetzung von Lykopin
durch das Erhitzen von Tomaten). Manche Produkte werden zusätzlich
mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert (z. B. jodiertes
Speisesalz).

Zwtl.: Ernährung muss persönliche Entscheidung bleiben

„Die Verarbeitung von Lebensmitteln ist kein Indikator für deren
Gesundheitswert. Eine ausgewogene Ernährung basiert auf Vielfalt –
nicht auf pauschalen Klassifikationen. Eine bessere Ernährung
erreichen wir nicht, indem wir Lebensmittel dämonisieren. Vielmehr
brauchen wir endlich mehr Ernährungsbildung, damit die Menschen nach
ihren individuellen Bedürfnissen optimal entscheiden können“ , so
Koßdorff abschließend.

Weitere Informationen: https://www.oesterreich-isst-
informiert.at/herstellung/hochverarbeitete-lebensmittel-im-
faktencheck/

Zwtl.: Stellenwert der Lebensmittelindustrie in Österreich

Die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Lebensmittelindustrie)
zählt mit ihren 27.500 direkt Beschäftigten zu den Schlüsselbranchen
in Österreichs Wirtschaft. Sie garantiert verlässlich die tägliche
Versorgung von Millionen Menschen mit sicheren, qualitativen und
leistbaren Produkten. Die rund 200 Unternehmen erwirtschaften
jährlich ein Produktionsvolumen von rund 12 Mrd. Euro. Rund 10 Mrd.
Euro davon werden im Export in über 180 Länder abgesetzt. Der
Fachverband unterstützt seine Mitglieder durch Information, Beratung
und internationale Vernetzung.

Datenschutzinfo