Wien (OTS) – Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMontag“ am
6. Oktober
2025 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON berichtet u. a. über eine
neue Sonderausstellung des Wien Museums zum Thema Fleischkonsum,
stellt die kontroversielle Dokumentation „Girls & Gods“ der FEMEN-
Aktivistin und Künstlerin Inna Shevchenko zum Thema Frauenrechte und
Religionen vor und widmet sich dem gesellschaftspolitischen
Gegenwartsbefund der deutschen Publizistin Carolin Emcke.
Anschließend an das Magazin begleitet eine neue Ausgabe der
Porträtreihe „Orte der Kindheit“ die im Iran geborene Schauspielerin
Proschat Madani zu ihren Anfängen in Österreich zurück.
Frisch, saftig, fleischig – Wien und sein Protein
Schnitzel, Gulasch, Tafelspitz – Fleisch ist fester Bestandteil
der traditionellen österreichischen Küche. Im Wienerlied wird
Fleischkonsum ebenso gefeiert wie in Literatur und Film. Heute sorgt
dieser jedoch für heiße Diskussionen: Unverzichtbar für Fleisch-
Aficionados, unverzeihlich für manche Vegetarier oder Veganerinnen,
aufgrund der Belastung für Tiere, Klima und Gesundheit. Wieder
anderen ist die Diskussion einfach wurscht. Fast vergessen ist, dass
Wien schon früh eine Hochburg des Vegetarismus gewesen ist, denn
schon um 1850 gab es erste vegetarische Restaurants. Dass Fleisch ein
Politikum ist, zeigen auch Debatten um Schweinefleisch und
Schnitzelpreise. Fragen um Identität und gesellschaftlichen Status,
um Tierhaltung, Schlachtung, Verkauf und Zubereitung quer durch die
Jahrhunderte geht eine aktuelle Sonderausstellung im Wien Museum
ebenso nach wie etwa den Themen Tierhaltung, Verschwendung und
Ernährungsbewusstsein. Sie verknüpft dabei die Vergangenheit mit den
Herausforderungen der Gegenwart und stellt die Frage: Wie wird es mit
dem Fleischessen weitergehen?
„Girls & Gods“ – Inna Shevchenkos neue Doku über Frauenrechte und
Religion
Lassen sich Feminismus und Religion vereinen? Der neue
Dokumentarfilm „Girls & Gods“ beleuchtet den Konflikt zwischen
Frauenrechten und Religionen und nimmt dabei alle Weltreligionen ins
Visier. Dafür hat die bekannte ukrainische FEMEN-Aktivistin und
Künstlerin Inna Shevchenko in Zusammenarbeit mit dem Regieduo Arash
T. Riahi und Verena Soltiz weltweit unterschiedlichste Frauen
getroffen – von katholischen Priesterinnen über eine Transgender-
Rabbinerin und eine Karikaturistin von Charlie Hebdo bis zu
muslimischen Feministinnen mit und ohne Kopftuch – und mit ihnen über
die patriarchal geprägten Strukturen der Religionen diskutiert. Ihre
eigene Haltung bleibt dabei immer kritisch. Insbesondere bei
monotheistischen Glaubenslehren ist die Dominanz der Männer
offensichtlich. Sowohl der Blick in die Geschichte als auch in die
Gegenwart, in andere Kulturräume sowie auf Europa, zeigt Beispiele
der Unterdrückung von Frauen im Namen religiöser Systeme. Verstehen
sich gottesfürchtige Frauen dennoch selbst als Feministinnen, die um
Gleichberechtigung kämpfen? Inwiefern kann Religion auch Empowerment
für Frauen sein? Und könnten sich Religionen gar feministisch
reformieren lassen? Über den kontroversiellen Film diskutiert
Clarissa Stadler mit Inna Shevchenko live im Studio.
„Respekt ist zumutbar“ – Carolin Emckes gesellschaftspolitischer
Gegenwartsbefund
Sie besitzt einen messerscharfen Blick auf gesellschaftliche
Zustände, seziert akribisch soziale wie politische Konflikte und
wurde dafür 2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
ausgezeichnet. Die deutsche Publizistin Carolin Emcke, die
Philosophie, Politik und Geschichte in London, Frankfurt und an der
Harvard Universität studierte, ist eine Zeitzeugin, die
kosmopolitisch und lokal denkt. Als Journalistin bereiste sie
weltweit Krisenregionen, berichtete für bedeutende Qualitätsmedien
und stellt in ihren Essays wichtige Fragen zur Gegenwart. Jetzt
bringt die 58-Jährige ihre besten Kolumnen und Reden in dem
Sammelband „Respekt ist zumutbar“ heraus. Wie umgehen mit Gewalt und
Menschenfeindlichkeit? Was bedeutet Humanismus heute? Was lässt sich
autoritären Regimen und ihren Angriffen auf die Freiheit
entgegensetzen? Wer wollen wir sein in Zeiten der Zerstörung von
Demokratie und Wahrheit? Im „kulturMontag“-Interview analysiert Emcke
etwa die Folgen des Terrorangriffs der Hamas, den Krieg Israels in
Gaza, die humanitäre Katastrophe und plädiert eindringlich für
Respekt, Empathie, für das Miteinander, Demokratie und Freiheit.
Dokupremiere „Orte der Kindheit – Proschat Madani“ (23.30 Uhr)
In der neuesten, von Ute Gebhardt gestalteten Ausgabe der ORF-
Porträtreihe „Orte der Kindheit“ begleitet Kulturjournalist und –
moderator Peter Schneeberger Schauspielerin Proschat Madani an die
Schauplätze ihrer frühen Jahre in Wien. Geboren im Iran, kam Madani
als Kleinkind gemeinsam mit ihrer Mutter, Großmutter und ihren drei
Geschwistern nach Wien, wo auch ihre ersten aktiven Erinnerungen
verortet sind – nämlich im Hotel, in dem sie ihre erste Nacht in Wien
verbracht hat. In den darauffolgenden Jahren sollten der sechste und
siebente Bezirk zum Zentrum ihrer Kindheit und Jugend sowie
schließlich zu einer Art Heimat werden. Hier wuchs sie auf, ging zur
Schule, erlernte die ihr zunächst fremde Sprache, schloss
Freundschaften und entdeckte vor allem den Geschmack der süßen Wiener
Küche für sich. Doch als Migrantenkind war Proschat Madani im Wien
der 1970er Jahre oft Vorurteilen und Ausländerfeindlichkeit
ausgesetzt – auch in der Schule.
Die erfolgreiche Schauspielerin, die in Film und Fernsehen oftmals
selbstbewusste und toughe Frauenfiguren verkörpert, beschreibt sich
selbst als ein schüchternes Kind, das nie das Rampenlicht suchte.
Viel lieber mimte sie gemeinsam mit ihrem Bruder im stillen
Kämmerlein österreichische Schauspielgrößen, wie Oskar Werner, nach,
wenn sie sich im Fernsehen Theateraufzeichnungen anschauten oder
Hörspielen lauschten. Denn die Bühne entdeckte Madani erst wesentlich
später für sich.
Im Gespräch mit Peter Schneeberger reflektiert die Künstlerin über
das Gefühl des Fremdseins und dessen Überwindung sowie die
Herausforderungen, denen sie als Kind gegenüberstand. Und über ihren
unerwarteten Weg zur Schauspielerei, der im Wiener Konservatorium
begann und zu einer erfolgreichen Karriere führte.