Wien (OTS) – Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) weist die
jüngsten
Aussagen von IV-Chef Georg Knill zur EU-Lohntransparenzrichtlinie
entschieden zurück. Die Darstellung, die Richtlinie sei ein
„Bürokratiemonster“ mit „150 Seiten und zwei Kilo Bürokratie“, mag
plakativ formuliert sein, hält einer sachlichen Betrachtung jedoch
nicht stand.
Tatsächlich umfasst die Richtlinie lediglich 24 Seiten
einschließlich der Erwägungsgründe. Ihr Ziel ist es,
geschlechtsspezifische Lohnunterschiede sichtbar zu machen und
gleiche Bezahlung für gleiche und gleichwertige Arbeit durchzusetzen.
Die Darstellung der Industriellenvereinigung wirkt daher eher wie
eine gezielte Dramatisierungskampagne als wie eine seriöse
Auseinandersetzung mit dem tatsächlichen Inhalt der Richtlinie.
„Hier wird mit großer rhetorischer Kraft ein sehr kleines
Regelwerk sehr groß erzählt“, sagt ÖGB Bundesgeschäftsführerin Helene
Schuberth.
Besonders kritisch sieht Schuberth die von der Industrie ins
Spiel gebrachte Forderung nach einem „Stop-the-clock“-Ansatz bei der
Umsetzung der Richtlinie. Klar festzuhalten ist: Die Europäische
Kommission habe erst vor wenigen Tagen bekräftigt, dass es keine
Verschiebung („Stop-the-clock“) und keine Aufnahme der
Lohntransparenzrichtlinie in ein Omnibus-Paket geben werde. Die
Richtlinie sei schließlich bewusst als zentrales Instrument zur
Verwirklichung des Rechts auf gleiches Entgelt für Frauen und Männer
konzipiert – und soll auch als solches umgesetzt werden.
„Transparenz ist kein Bürokratiemonster, sondern die
Voraussetzung für gleiche Bezahlung und echte Gleichstellung. Viele
Unternehmen sind derzeit zwar noch unterschiedlich gut vorbereitet,
das ist jedoch kein Argument gegen die Umsetzung der Richtlinie,
sondern für gezielte Unterstützung bei der Umsetzung“, so Schuberth.
Statt Betriebe konstruktiv auf die neuen Transparenzpflichten
vorzubereiten, sorgten Arbeitgebervertreter mit überzogenen Warnungen
vor allem für Verunsicherung. Lohntransparenz bringt Fairness. Wer
fair bezahlt, hat auch nichts zu befürchten.
Der ÖGB fordert eine rasche und vollständige Umsetzung der EU-
Lohntransparenzrichtlinie ohne weitere Verzögerungen.
Über uns:
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2
Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen
sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche
Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und
Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.