PRO-GE Binder: Banken sollen vor der eigenen Türe kehren, anstatt Lohnzurückhaltung zu fordern

Wien (OTS) – „Die Lohnerhöhungen folgen den Preisen. Die Banken haben
wenig dazu
beigetragen, die Inflation niedrig zu halten und das Vertrauen in den
Standort Österreich zu stärken“, kommentiert der Bundesvorsitzende
der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE), Reinhold Binder, den gestrigen
Auftritt des Chefökonomen der Raiffeisen Bank International Gunter
Deuber in der ZIB 2. Er erinnert daran, dass im Zuge der
Zinsanhebungen die Kreditzinsen sehr rasch erhöht wurden, während die
Sparzinsen niedrig blieben.

Im ORF-Interview erwähnte Deuber mit keinem Wort die fragwürdige
Rolle der Banken seit Beginn der Teuerungskrise. Denn als die EZB
begann den Leitzins zu erhöhen, blieben die Sparzinsen bei den Banken
lange Zeit niedrig. Diese Differenz sorgte für saftige Übergewinne.
Die niedrigen Sparzinsen verschärften so zusätzlich die
Teuerungskrise, während Banken zig Millionen an Gewinnen
ausschütteten.

Auf der anderen Seite stiegen die Kreditzinsen schnell und
kräftig. „Die Banken haben sich an den Häuslbauern eine goldene Nase
verdient. Die steigenden Kreditraten haben viele von ihnen an den
Rand der Verzweiflung gebracht. Genau diese Menschen sollen auch in
den kommenden Jahren auf gerechte Lohnsteigerungen verzichten, wenn
es nach den Banken geht“, zeigt sich Binder empört.

Die Institute hätten sich in der Vergangenheit nicht besonders um
die österreichische Wirtschaftsentwicklung gesorgt, sondern sich mehr
Gedanken darüber gemacht, den eigenen Profit zu maximieren. Denn der
massive Anstieg der Kreditzinsen habe auch Investitionen gebremst und
somit zur Stagnation beigetragen. Die aktuellen Vorschläge des RBI-
Ökonomen, dass in den nächsten Jahren die Reallöhne sinken müssen und
der Staat weniger Geld ausgeben soll, würde eine wirtschaftliche
Abwärtsspirale befeuern. „Das führt nur dazu, dass die Inlands-
Umsätze der Unternehmen weiter zurückgehen und noch weniger
konsumiert und investiert wird“, kritisiert Binder.

Zudem sei die RBI in den letzten Monaten nicht gerade positiv
aufgefallen. Nachdem man trotz Warnungen am Russlandgeschäft
festgehalten habe, wollte man durch Interventionen in Brüssel
Ausnahmen bei den Russlandsanktionen erreichen. „Das hat europaweites
Kopfschütteln ausgelöst und war dem Ansehen Österreichs
nichtzuträglich“, so der Gewerkschafter. Er fordert, dass eine Bank
wie die RBI hinterfragen solle, ob sie nicht selbst dazu beiträgt,
dass es um den Standort Österreich nicht zum Besten steht. Hier
sollte jeder vor der eigenen Türe kehren.

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