Die digitale Revolution: Chance oder Bedrohung?
Am 3. Juni 2026 fand in Wien ein bemerkenswerter Round-Table statt, der sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) auf Mädchen und Frauen beschäftigte. Unter der Schirmherrschaft von UNICEF Österreich kamen prominente Gäste aus verschiedenen Bereichen zusammen, um über die Herausforderungen und Chancen zu diskutieren, die diese Technologien mit sich bringen.
Was bedeutet Digitalisierung für Mädchen und Frauen?
Digitalisierung bezeichnet die Umwandlung von analogen Informationen in digitale Formate. Dies geschieht durch die Nutzung moderner Technologien, die Daten schnell und effizient verarbeiten können. Künstliche Intelligenz, ein Teilbereich der Digitalisierung, beschreibt Systeme, die in der Lage sind, Aufgaben zu übernehmen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern, wie das Erkennen von Sprache, das Lernen und das Problemlösen.
Diese Technologien verändern die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten, fundamental. Während sie neue Berufsfelder eröffnen und den Zugang zu Wissen erleichtern, bergen sie auch Risiken, insbesondere für Mädchen und Frauen. Historisch gesehen, wurden technologische Fortschritte oft von Männern dominiert, was dazu führte, dass die Bedürfnisse und Perspektiven von Frauen nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
UNICEF Österreich setzt auf Empowerment
UNICEF Österreich hat zusammen mit NEWS und Taxi 40100 eine Plattform geschaffen, um diese wichtigen Themen zu diskutieren. Die Veranstaltung fand im Oktagon bei DLA Piper in Wien statt, wo Doris Schmidauer, die First Lady und First Volunteer, die Einführungs-Keynote hielt.
Schmidauer betonte die Möglichkeit, KI als Chance zu begreifen. Sie sieht in der Technologie ein neues Recht auf Zugang zu Wissen und Teilhabe. „Meine Vision ist eine Gesellschaft, in der KI dazu beiträgt, bestehende Ungleichheiten zu verringern, anstatt sie zu verstärken“, sagte sie.
Die Oky App: Ein Beispiel für positive Digitalisierung
Ein Highlight der Diskussion war die Vorstellung der Oky App durch Gerda Binder von UNICEF. Diese App wurde speziell entwickelt, um Mädchen zu stärken, indem sie Wissen vermittelt und Tabus bricht. Sie zeigt eindrucksvoll, wie Technologie inklusiv gestaltet werden kann, um Mädchen weltweit zu empowern.
Gerda Binder erklärte: „Oky zeigt, wie gut Digitalisierung sein kann, wenn wir Mädchen wirklich zuhören und sie mitgestalten lassen. Digitale Teilhabe ist keine Kür, sondern ein Recht.“
Unternehmen in der Verantwortung
Elisabeth Dal Bianco von IKEA Österreich hob hervor, dass mehr als die Hälfte der Führungskräfte bei IKEA Frauen sind, was das Ergebnis konsequenter Arbeit ist. Sie betonte, dass dieselbe Konsequenz auch im Umgang mit KI erforderlich ist, um Chancengleichheit zu fördern.
Nicole Daniel von DLA Piper wies darauf hin, dass tiefere Normen erforderlich sind, um Diskriminierung durch KI zu verhindern. Der EU AI Act bietet einen regulatorischen Rahmen, um solche Diskriminierungen frühzeitig zu erkennen und zu begrenzen.
Herausforderungen der digitalen Welt
Candy Licious, eine Dragqueen Artist, sprach über die Herausforderungen von Hass im Netz. Sie betonte die Wichtigkeit von Selfcare und gesellschaftlicher Verantwortung, um gegen Hate Speech vorzugehen.
Eveline Hruza von Taxi 40100 nutzte das Beispiel ihres Unternehmens, um die Vorteile der Digitalisierung zu verdeutlichen. „Aus Marktstudien wissen wir, dass 80 Prozent der Gen Z ihr Taxi per App bestellen. Diese Evolution zeigt genau das Potenzial von Digitalisierung“, erklärte sie.
Die Rolle der Bildung
Ali Mahlodji, ein Business Humanist & Leadership Mentor, verglich digitale Tools mit einem Messer – sie können nützlich oder gefährlich sein, je nachdem, wie sie eingesetzt werden. Er betonte die Verantwortung, die Gesellschaft beim Einsatz von KI zu gestalten.
Martina Romero, Sozialwissenschaftlerin, sprach über feministische KI, die nicht als neutral betrachtet werden sollte. Sie sieht Technologie als Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse und fordert, dass KI Vielfalt sichtbar macht und Teilhabe stärkt.
Ein Blick in die Zukunft
Carina Zehetmaier, Präsidentin von Women in AI, unterstrich, dass KI nie neutral ist, sondern die Vorurteile unserer Gesellschaft widerspiegelt. Sie forderte mehr Diversität in der Entwicklung von KI-Systemen, um faire und vertrauenswürdige Ergebnisse zu erzielen.
Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass die Zukunft nicht einfach passiert, sondern gestaltet wird. Entscheidungen, wie unser Morgen aussieht, müssen heute getroffen werden. Wer KI baut, gestaltet Gesellschaft, und diese Verantwortung darf nicht einer kleinen, homogenen Gruppe überlassen werden.
Fazit: Gemeinsam für eine gerechtere digitale Zukunft
UNICEF Österreich ruft dazu auf, sich für die Rechte benachteiligter Mädchen und Frauen einzusetzen. Vielfalt, Inklusion und Chancengleichheit sind keine Schlagworte, sondern unverhandelbare Rechte, die jedem Kind weltweit zustehen.
Die Veranstaltung in Wien hat gezeigt, dass es möglich ist, eine gerechtere und inklusivere digitale Zukunft zu gestalten, wenn alle Akteure zusammenarbeiten. Die Herausforderungen sind groß, aber die Chancen, die sich durch die Digitalisierung bieten, sind es auch.