Revolution in Oberösterreich: Solarstrom und Getreide – Die Zukunft der Landwirtschaft?

Ein historischer Durchbruch in Oberösterreich

Am 25. August 2025 wurde ein Meilenstein in der österreichischen Landwirtschaft erreicht, als Franz Bachleitner auf seinem fünf Hektar großen Sonnenfeld in Pischelsdorf am Engelbach die erste Doppelernte von Solarstrom und Getreide einfuhr. Diese bahnbrechende Entwicklung wurde durch die Zusammenarbeit von EWS Consulting GmbH und der Energie AG ermöglicht. Die innovative Agri-Photovoltaikanlage (Agri-PV) nutzt bifaziale PV-Module, die nicht nur Strom für rund 1.680 Haushalte liefern, sondern auch einen um 20 % höheren Ertrag im Vergleich zu herkömmlichen fix installierten Modulen erzielen. Dies ist besonders bemerkenswert, da die Anlage auch während der kritischen Morgen- und Abendstunden effizient Strom erzeugt.

Was bedeutet Agri-Photovoltaik?

Agri-Photovoltaik ist ein innovatives Konzept, das die gleichzeitige Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen für die Nahrungsmittelproduktion und die Erzeugung von Solarstrom ermöglicht. Diese Technologie maximiert die Flächeneffizienz, indem sie die landwirtschaftliche Nutzung nicht beeinträchtigt und gleichzeitig erneuerbare Energie bereitstellt. Die bifazialen PV-Module sind in der Lage, Licht von beiden Seiten zu absorbieren, was ihre Effizienz erheblich steigert. Durch die Steuerbarkeit der PV-Tracker können Landwirte die Module so ausrichten, dass sie entweder flach auf dem Boden liegen oder in einem Winkel von bis zu 70 Grad aufgestellt werden, um die Durchfahrt von landwirtschaftlichen Maschinen zu erleichtern.

Die wirtschaftlichen Vorteile für Landwirte

Für Franz Bachleitner und seine Familie war dieses Projekt ein Segen. Trotz eines schwierigen Wachstumsjahres und niedriger Getreidepreise konnte er durch die zusätzlichen Pachteinnahmen aus der Stromerzeugung eine stabile finanzielle Zukunft sichern. Laut Bachleitner war der Pflanzenwuchs anfangs unregelmäßig, aber am Ende der Saison war der Hafer auf der gesamten Fläche reif. Diese zusätzliche Einnahmequelle ist besonders wichtig in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten und sich ändernder Marktbedingungen.

Die Technik hinter der Innovation

Joachim Payr, geschäftsführender Gesellschafter von EWS, betonte die Bedeutung der Technik für dieses Projekt: „Unsere Sonnenfänger sind im Tagesverlauf immer optimal zur Sonneneinstrahlung ausgerichtet. Jeder Sonnenstrahl wird genutzt.“ Die Möglichkeit, die Module horizontal zu stellen oder sie für maximale Durchfahrtslichte aufzuklappen, schützt die Module vor Beschädigung und Staubablagerung.

Ein Blick in die Vergangenheit: Wie alles begann

Die Idee der Agri-Photovoltaik ist nicht neu. Erste Konzepte wurden bereits in den 1980er Jahren entwickelt, aber es dauerte Jahrzehnte, bis die Technologie ausgereift genug war, um in großem Maßstab eingesetzt zu werden. In Österreich begann der Aufstieg der erneuerbaren Energien in den frühen 2000er Jahren, als das Land begann, in Wind- und Solarenergie zu investieren. Die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Energiequellen hat die Entwicklung von Agri-PV-Anlagen beschleunigt.

Vergleich mit anderen Bundesländern

Während Oberösterreich mit der ersten Doppelernte von Solarstrom und Getreide Schlagzeilen macht, haben andere Bundesländer ebenfalls bedeutende Fortschritte im Bereich der erneuerbaren Energien erzielt. Niederösterreich ist bekannt für seine Windkraftanlagen, während die Steiermark in den letzten Jahren stark in Biomasse investiert hat. Diese unterschiedlichen Ansätze zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten zur Nutzung erneuerbarer Energien in Österreich sind.

Die Auswirkungen auf die Bürger

Die Einführung von Agri-Photovoltaikanlagen hat weitreichende Auswirkungen auf die Bevölkerung. Zum einen wird die regionale Stromversorgung gestärkt, was zu stabileren und potenziell niedrigeren Strompreisen führen kann. Zum anderen wird die landwirtschaftliche Produktion nicht beeinträchtigt, was bedeutet, dass die Lebensmittelpreise stabil bleiben.

Expertenmeinungen zur Zukunft der Agri-PV

Dr. Anna Müller, Energieexpertin an der Universität Wien, sieht großes Potenzial in der Agri-Photovoltaik: „Diese Technologie könnte die Antwort auf die Herausforderungen der Energie- und Nahrungsmittelproduktion in der Zukunft sein. Sie ermöglicht eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen und bietet Landwirten eine zusätzliche Einkommensquelle.“

Ein globaler Trend

Agri-Photovoltaik ist nicht nur in Österreich im Aufwind. Weltweit erkennen Länder die Vorteile dieser Technologie. In Japan und China sind bereits zahlreiche Projekte in Betrieb, und auch in den USA und Europa wird die Agri-PV immer beliebter. Diese globale Bewegung zeigt, dass die Kombination aus Landwirtschaft und erneuerbarer Energieerzeugung ein zukunftsfähiges Modell ist.

Politische Unterstützung und Herausforderungen

Die österreichische Regierung hat sich verpflichtet, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 100 % zu erhöhen. Projekte wie das von Franz Bachleitner in Oberösterreich sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Allerdings gibt es auch Herausforderungen, wie die Notwendigkeit, die bürokratischen Hürden für die Genehmigung solcher Anlagen zu überwinden und sicherzustellen, dass die Technologie für Landwirte zugänglich und erschwinglich bleibt.

Ein Ausblick auf die Zukunft

Die Zukunft der Agri-Photovoltaik in Österreich sieht vielversprechend aus. Mit der fortschreitenden Technologie und der steigenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien könnten in den nächsten Jahren zahlreiche weitere Projekte realisiert werden. Die Kombination aus Wind, Sonne und Speichern wird als die logische Lösung für eine nachhaltige Energiezukunft angesehen.

Fazit

Die erste Doppelernte von Solarstrom und Getreide in Oberösterreich markiert einen bedeutenden Schritt in Richtung einer nachhaltigen Zukunft. Durch die Integration von Agri-Photovoltaik in die Landwirtschaft können Landwirte nicht nur ihre Einnahmen diversifizieren, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich diese Technologie weiterentwickeln und welchen Einfluss sie auf die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft haben wird.

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