Wien (PK) – Während der Bedarf an Zivildienern weiter steigt, geht
die Zahl
aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge zurück, ist dem
Zivildienstbericht über die Jahre 2023 bis 2025 zu entnehmen ( III-
326 d.B .). Im Jahr 2025 lag die Anzahl der Zivildienstleistenden bei
14.884. Die Aufteilung zwischen Grundwehr- und Zivildienst hat sich
Bundesministerin Claudia Bauer zufolge mittlerweile in Richtung 50:50
entwickelt. Der Zivildienst habe sich in seinen 50 Jahren seit den
Anfängen 1975 zu einer tragenden Säule im Sozialsystem ausgebildet.
Positiv reüssiert der Bericht über die Schaffung von mehr
Flexibilität, die Möglichkeit, den Dienst zu teilen sowie die
Einführung des „Papamonats“ im Berichtszeitraum. Der
Familienausschuss des Nationalrats nahm die Vorlage heute zum Anlass
für eine Debatte mit Ministerin Bauer und dem Leiter der
Zivildienstserviceagentur, Ferdinand Mayer. Der Bericht wurde
einstimmig zur Kenntnis genommen.
Bedarf an Zivildienern zu knapp 90 % gedeckt
Als Bedarf an Zivildienenden seien im Jahr 2025 16.591 Plätze
gemeldet worden, so der Bericht. Somit konnten 89,7 % der Stellen
belegt werden, ähnlich wie in den Jahren zuvor. Angesichts der
geburtenschwachen Jahrgänge ist im Bericht die Rede von einem „guten
Wert“. Laut Ministerin Bauer stehe der Zivildienst allerdings vor
Herausforderungen. Eine alternde Gesellschaft und steigende
Anforderungen würden auf weniger verfügbare Zivildiener treffen. Die
Bedarfsdeckung sei im Laufe eines Jahres außerdem ausbildungsbedingt
unterschiedlich hoch. Während im Frühling teilweise zu wenige
Zivildienstleistende zur Verfügung stehen, gibt es ab Sommer (also
nach Schulabschluss) österreichweit meist ausreichend Personen. Zur
Bedarfsdeckung mit Zivildienenden würden auch Maßnahmen wie etwa eine
Bevorzugung bestimmter Sparten, wie beispielsweise des
Rettungswesens, gesetzt, so Ministerin Bauer.
Zum Thema der geplanten Wehrdienstreform erörterte Bauer, dass
die Bundesregierung eine Wehrdienstkommission ins Leben gerufen habe.
Aus den von der Kommission empfohlenen Modellen sei in der Koalition
ein Kompromiss erzielt und im Sommerministerrat ein Vorschlag
verabschiedet worden. Sie persönlich wäre dafür eingetreten, aufgrund
des hohen Bedarfs gleich auch den Zivildienst mit dem Grundwehrdienst
mitzuverlängern, so Bauer. Gegenüber Harald Thau (FPÖ) hielt die
Ministerin fest, dass es eine Verlängerung des Zivildiensts aus
demografischen Gründen brauche, um den Bedarf in den Einrichtungen in
Österreich zu decken. Die nunmehr vorgeschlagene automatische
Verlängerung sei eine Lösung, mit der sie gut leben könne. Für diese
verlängerte Zivildienstzeit sei ihr aber wichtig, auch mehr
Ausbildungsmöglichkeiten für die Zivildienenden zu öffnen.
Im ersten Halbjahr 2026 seien bisher um 8 % mehr
Zivildiensterklärungen abgegeben worden als im Vorjahreszeitraum,
führte Bauer etwa auf Fragen von Lukas Brandweiner (ÖVP) aus. Dies
sei aber eine Momentaufnahme, für das zweite Halbjahr gebe es noch
keine Zahlen. Der August 2026 sei mit einem Anstieg der
Zivildiensterklärungen von 45 % herausgestochen, so Bauer auf Fragen
von Thau. Es gebe dazu noch keine Motivforschung, könne aber etwa mit
der medialen Debatte zur geplanten Wehrdienstreform zu tun haben.
Langfristig werde wieder ein gutes Gleichgewicht zwischen Grundwehr-
und Zivildienst geschaffen werden, zeigte sich Bauer etwa gegenüber
Johannes Gasser (NEOS) überzeugt.
Die Bedarfsdeckung habe in den letzten Jahren durch
geburtenschwache Jahrgänge fast immer unter 90 % betragen, so der
Leiter der Zivildienstserviceagentur, Ferdinand Mayer. Man habe
versucht, dem unter anderem finanziell entgegenzusteuern, aber auch
die Teiltauglichkeit sei dazugekommen. Diese Teiltauglichkeit stelle
zwar kein Allheilmittel dar, dadurch sei aber die Bedarfsdeckung
bisher um 1 % bis 1,5 % erhöht worden. Außerdem habe man Maßnahmen
gesetzt, den Bedarf zu drosseln, indem etwa nur bestimmte
Einrichtungen anerkannt würden. In den Zahlen in den Bundesländern
sieht Mayer tendenziell ein Ost-West-Gefälle in der Bedarfsdeckung.
80 % der Zivildiener seien außerdem Maturanten, daher würden sich von
August bis Jänner ausreichend Zivildienstleistende finden, während ab
Februar die „Saure-Gurken-Zeit“ beginne. Darüber hinaus gebe es
beliebtere Tätigkeitsgebiete wie etwa das Rettungswesen und andere,
wo es nicht so gut laufe, wie beispielsweise die Altenbetreuung. Was
die Auszahlungen für den Zivildienst betrifft, handle es sich um
Beihilfen, die im Vorhinein geleistet würden, erörterte Mayer auf
Fragen von Bernhard Herzog (SPÖ) zu etwaig zu Unrecht empfangenen
Bezügen. Bei Entlassungen und aliquoten Rückzahlungen sei nach den
Gründen der Entlassung zu differenzieren.
Zum Thema sogenannter „Zivibomber“, also betreffend Einsätze, bei
denen etwa ein Rettungswagen nur durch Zivildienstleistende besetzt
ist, verwies Mayer gegenüber Ralph Schallmeiner (Grüne) darauf, dass
die Länder für die Einhaltung diesbezüglicher Regelungen zuständig
seien.
Größtes Einsatzgebiet Rettungswesen
Die meisten Zivildiensterklärungen wurden laut Bericht in
Oberösterreich (21 %), Niederösterreich (20 %), Wien (18 %) und in
der Steiermark (13 %) abgegeben. Das größte Einsatzgebiet beim
Zivildienst ist das Rettungswesen. 2025 wurden rund 39 % diesem
Bereich zugewiesen, 27 % der Sozial- und Behindertenhilfe, 12 % zu
Einrichtungen für die Betreuung von Älteren und 9 % zu
Krankenanstalten. Weitere Einsatzbereiche sind etwa
Katastrophenhilfe, Zivilschutz, Kinderbetreuung, die Betreuung von
Vertriebenen, Asylwerbenden und Menschen in Schubhaft sowie
Sozialhilfe in der Landwirtschaft, öffentliche Sicherheit im
Straßenverkehr, Jugendarbeit, Umweltschutz sowie Gedenkstätten.
Aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge wurden laut Bericht die
Kriterien für die Anerkennung neuer Zivildiensteinrichtungen und
Plätze überarbeitet. Seit der Mitte 2024 in Kraft getretenen
Zivildienstnovelle gilt, dass bei der Genehmigung neuer Einrichtungen
auch die Bedarfsdeckung im Bundesland und Nachbarbundesländern
ausschlaggebend ist.
Der Zivildienst sei ein wichtiger Türöffner für das Ehrenamt,
heißt es außerdem im Bericht. Rund 30 % der jungen Männer würden sich
nach dem Zivildienst als Ehrenamtliche engagieren und etwa 9 % als
Hauptamtliche in ihrer Organisation weiterarbeiten. (Fortsetzung
Familienausschuss) mbu