Wien (OTS) – Um 20 Prozent mehr Hassverbrechen als 2023 wurden im
Jahr 2024
registriert, das geht aus dem heute veröffentlichten Lagebericht des
Innenministeriums hervor. Insgesamt 6.786 vorurteilsmotivierte
Straftaten und 7.614 Vorurteilsmotive wurden erfasst, das entspricht
83 Vorurteilsmotiven bei 74 Straftaten pro 100.000 Einwohner*innen –
im Jahr 2023 waren es noch 71 Motive bei 63 Straftaten. Für SPÖ-
Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner bestätigt dieser massive
Anstieg die jahrelangen Warnungen der Zivilgesellschaft: „Zu Recht
haben wir seit langem ein ganzheitliches Vorgehen gegen
Hassverbrechen auf allen Ebenen des Bundes gefordert. Umso wichtiger
ist es jetzt, dass der Nationale Aktionsplan gegen Hate Crime, den
der Nationalrat im Frühjahr als Reaktion auf die furchtbaren
Übergriffe gegen Homosexuelle beschlossen hat, schnellstmöglich mit
Leben gefüllt wird!“ ****
Lindner ist dabei zuversichtlich, dass es mit der neuen
Bundesregierung den dringend notwendigen Paradigmenwechsel im Umgang
mit dem Anstieg bei Hate Crime geben wird: „Wir können nicht
ignorieren, dass Hassverbrechen seit Jahren steigen. Jeder Mensch hat
ein sicheres und selbstbestimmtes Leben verdient! Wenn dieses
Grundrecht verletzt wird und Menschen aufgrund ihrer Identität Angst
vor Gewalt haben müssen, dann sind alle von uns gefordert, dagegen
mit voller Kraft vorzugehen!“ Besonders warnt der SPÖ-Abgeordnete in
diesem Zusammenhang vor dem stärker werdenden Kulturkampf aus rechten
und rechtsextremen Kreisen. Dieser würde in ganz Europa die
gesellschaftliche Spaltung anfeuern und damit die Grundlage für Hass,
Ausgrenzung und Gewalt legen: „Dass bei den Hate Crimes 2024 der
Anteil von Verbrechen gegen das NS-Verbotsgesetz so stark ist, muss
uns genauso zu denken geben wie die Tatsache, dass die Täter auch in
diesem Jahr überdurchschnittlich männlich und mit österreichischer
Staatsbürgerschaft waren!“, so Lindner.
Großen Handlungsbedarf sieht Lindner aber auch hinsichtlich der
enormen Dunkelziffer von nicht angezeigten Hassverbrechen. Laut
internationalen Studien könne diese die tatsächlich polizeilich
erfassten Hate Crimes um ein bis zu Zehnfaches übersteigen. „Es ist
zwar erfreulich, dass beispielsweise Hate Crimes wegen der sexuellen
Orientierung 2024 gesunken sind. Wenn man aber die immer häufigeren
Berichte über solche Verbrechen gegen die LGBTIQ+ Community
beobachtet, ist leider klar, dass der Großteil dieser Verbrechen gar
nicht zur Anzeige gelangt. Genau deshalb muss der Fokus des
Nationalen Aktionsplans auch auf den Bereichen der Prävention und der
Vertrauensbildung gegenüber der Exekutive liegen!“
Wie schon in den vergangenen Jahren werden Lindner und die
sozialdemokratische LGBTIQ+-Organisation SoHo deshalb auch in diesem
Jahr einen eigenen Bericht zu Hassverbrechen gegen LGBTIQ+ Personen
vorstellen. Die Präsentation dieses Reports erfolgt am Donnerstag,
24. Juli 2025, ab 11 Uhr im Zuge einer Pressekonferenz des SPÖ-
Parlamentsklubs mit Vertreter*innen der Zivilgesellschaft (separates
Aviso folgt). (Schluss) mf/lw