Wien (OTS) – Die lang angekündigte Studie der Stadt Wien mit dem
Titel
„Pferdenutzung in Zeiten des Klimawandels“, die auch als Reaktion auf
die Kritik des VGT in Auftrag gegeben wurde, startet im August 2025
endlich mit der Datenerhebung. Zusätzlich präsentiert die
Wirtschaftskammer Wien heute eine eigene Untersuchung, die bereits
abgeschlossen sei. Details dazu sind allerdings zum derzeitigen Stand
weder auf der Webseite der WKO noch auf der Webseite der VetMed Uni
Wien auffindbar. Angaben zum Titel des Papers oder Namen der
Studienautor:innen sucht man vergebens. Zwischen den beiden Studien
besteht kein Zusammenhang, die heutige Aussendung hat nichts mit der
Ankündigung der Stadt Wien von vor zwei Tagen zu tun.
Einige Fakten bleiben allerdings unverrückbar:
– Die Wohlfühltemperatur von Pferden, bei der kein zusätzlicher
Aufwand zur Temperaturregulierung besteht, wird in der Literatur
üblicherweise im Bereich von 5 bis 25 Grad angegeben. Hinzu kommt die
erhöhte Belastung und erhöhte Luftbelastung, die miteinbezogen werden
muss.(1)
– Am Fiakerstandplatz ergeben Messungen teilweise fast 38 Grad
Lufttemperatur, zu einem Zeitpunkt, wo die Messstelle im Schatten,
die für das Hitzefrei herangezogen wird, erst 32 Grad anzeigt.
– Es ist das natürliche Verhalten von Pferden, bei Hitze kühlere und
schattige Stellen aufzusuchen. Diesem Verhalten können eingespannte
Pferde am Fiakerstandplatz ohne durchgehende Beschattung nicht
nachgehen.
– Zudem ist die Hitze bei weitem nicht das einzige Problem : Pferde
sind Daueresser, dem kann im Fiakerbetrieb nicht Rechnung getragen
werden. Auch sind Pferde Bewegungstiere, dennoch verbringen
Fiakerpferde zu viel Zeit mit Stehen auf hartem Asphalt, während Sie
vor eine Kutsche gespannt sind.
– Weiden sind durch das Wiener Fiakergesetz nicht vorgeschrieben.
– Pferde sind Fluchttiere, die sehr sensibel auf Geräusche, Licht und
Lärm reagieren. Durch die städtischen Gegebenheiten werden Pferde
deutlichem Stress ausgesetzt, was eine massive Belastung für die
Tiere darstellt.
Der VGT fordert weiterhin Hitzefrei für Wiens Fiakerpferde ab 30
Grad. Dazu halten Aktivist:innen heute Mittwoch von 14:00 bis 16:00
Uhr und am Samstag von 13:00 bis 15:00 Uhr Protestkundgebungen am
Wiener Stephansplatz ab. Im Rahmen dieser Kundgebungen werden auch
Unterschriften für die Petition des VGT gesammelt.
Georg Prinz vom VGT setzt sich seit 10 Jahren für Hitzefrei ab 30° C
für Wiens Fiakerpferde ein: „Alle Grundlagen, um den Wiener
Fiakerpferden sofort Hitzefrei ab 30 Grad zu geben, liegen bereits
vor, das zeigen die Beispiele aus Brügge und Berlin . Die
Präsentation einer unpublizierten Untersuchung ohne Autor:innen-
Angabe durch die Wiener Wirtschaftskammer sehen wir als Versuch, die
Öffentlichkeit zu verwirren. Hier soll keine Diskussion geführt
werden, hier soll eine Diskussion beendet werden. Die Fiakerbetriebe,
die Pferde aus Profitgründen ausnutzen, stellen sich in der
Aussendung selbst das Zeugnis aus, dass es den Pferden gut gehe. Aus
Tierschutzsicht ist jedoch klar: eingespannte Pferde über viele
Stunden in großer Hitze in einer Großstadt durch den Verkehr zu
bewegen, kann und wird nie artgerecht sein. Der Wiener
Tierschutzstadtrat Jürgen Czernohorszky hat 2021 selber Hitzefrei ab
30 Grad gefordert . Wir hoffen im Interesse der Pferde, dass er sein
Versprechen bald einlösen wird.“
(1) Morgan, Karin: „Thermoneutral zone and critical temperatures
of horses“ , in: Journal of Thermal Biology, Vol 23 (1), 1998 1998,
S. 59-61