Wien (OTS) – Der trockene und heiße Sommer hat in vielen Teilen
Österreichs
deutliche Spuren auf den Feldern hinterlassen. Im Podcast „Wer nichts
weiß, muss alles essen“ sprechen Hannes Royer, Gründer von Land
schafft Leben, und Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger
darüber, wie die Klimaverschlechterung mit zunehmenden Wetterextremen
die heimische Lebensmittelproduktion zunehmend unter Druck setzt –
und weshalb Versorgungssicherheit nur mit einer wirtschaftlich
tragfähigen Landwirtschaft gewährleistet werden kann.
Kaum Regen, hohe Temperaturen und damit einhergehende
Ertragseinbußen haben zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe in
Österreich im Sommer gefordert. In der Grünlandwirtschaft fehlt
Futter für die Tiere, auch im Ackerbau sind die Ertragsverluste
erheblich. Für Hannes Royer , Gründer von Land schafft Leben, macht
der heurige Sommer sichtbar, was im Alltag leicht in Vergessenheit
gerät: Lebensmittel entstehen nicht im Supermarkt. Ihre Produktion
ist von natürlichen Einflüssen abhängig und lässt sich nicht beliebig
an Markt und Nachfrage anpassen. „Dieser Sommer hat vermutlich einige
Menschen wachgerüttelt und ihnen gezeigt, dass es am Ende des Tages
problematisch werden kann. Spätestens seit Corona und diversen
Kriegen wissen wir, dass internationale Versorgungswege zum Erliegen
kommen können“, so Royer . Umso wichtiger ist die
Versorgungssicherheit innerhalb Österreichs. Josef Moosbrugger ,
Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, beschreibt, wie stark
die aktuelle Situation manche Landwirtinnen und Landwirte, belastet:
„Wenn man sieht, dass am Feld mehr kaputtgeht als wächst, und man
nicht mehr weiß, wie man das Vieh füttern soll, dann steigt in der
Familie die Verzweiflung.“
Zwtl.: Trockenheit setzt Kartoffeln zu
Wie schnell sich die Verfügbarkeit heimischer Lebensmittel
verändern kann, zeigt sich besonders deutlich am Beispiel der
Kartoffel. Nach großen Erntemengen und niedrigen Preisen im Vorjahr
werden heuer aufgrund der Trockenheit Ernteeinbußen erwartet: Laut
vorläufigen Branchenschätzungen wird im niederösterreichischen
Kartoffelanbau regional mit Erträgen von weniger als zwölf statt rund
35 Tonnen pro Hektar gerechnet. Zusätzlich beeinträchtigt teilweise
Mäusefraß die Ernte. Ein weiterer Faktor: Im Vergleich zum Vorjahr
gingen die Kartoffelanbauflächen österreichweit laut AMA-Daten um elf
Prozent zurück.
Die Trockenheit beeinflusst auch den Marktpreis. Vereinfacht
gesagt gilt: Kleineres Angebot, höherer Preis. Aber höhere Preise
bedeuten nicht automatisch höhere Erlöse für die Bäuerinnen und
Bauern, da geringere Erntemengen die Erlöse wieder reduzieren.
Internationale Märkte, Lagerbestände und die Qualität der Ernte
spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle.
Zwtl.: Kaufentscheidungen beeinflussen Lebensmittelproduktion
Der heurige Sommer zeigt nicht nur die unmittelbaren Folgen
extremer Wetterbedingungen und des Klimawandels, sondern wirft auch
grundsätzliche Fragen auf: Wie krisenfest ist unsere
Lebensmittelproduktion? Was braucht es, damit Landwirtschaft
langfristig wirtschaftlich bestehen kann? Und welchen Beitrag können
Konsumentinnen und Konsumenten dazu leisten? Royer und Moosbrugger
sind sich einig: Damit die heimische Landwirtschaft langfristig
bestehen kann, braucht es Klimaschutz, Klimaanpassung, nachhaltiges
und vorausschauendes Wirtschaften sowie faire Rahmenbedingungen für
österreichische Produzentinnen und Produzenten am Markt. Moosbrugger
nimmt auch die EU-Politik in die Pflicht und warnt auf europäischer
Ebene vor einer Abhängigkeit von anderen Ländern im
Lebensmittelbereich. In anderen Segmenten wie Energie oder Rohstoffen
sei dies bereits der Fall. „Das darf uns bei Lebensmitteln nicht
passieren.“
Gleichzeitig tragen auch Konsumentinnen und Konsumenten
Verantwortung: Wer Wert auf Regionalität, hohe Produktionsstandards,
eine krisensichere heimische Landwirtschaft und eine für den
Tourismus und Einheimische erhaltene kleinteilige Kulturlandschaft
legt, beeinflusst mit seinen Kaufentscheidungen mit, welche Form der
Lebensmittelproduktion wirtschaftlich bestehen kann.
In der neuen Podcast-Folge diskutieren Hannes Royer und Josef
Moosbrugger neben den Auswirkungen der Trockenheit auf Landwirtschaft
und Lebensmittelproduktion auch über Themen wie Preisbildung,
Lebensmittelimporte, Einfluss und Möglichkeiten der Politik,
staatliche Dürrehilfen und wirtschaftliche Eigenverantwortung der
Betriebe.
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