Wien/Klagenfurt/Eisenstadt (OTS) – Die österreichweite Jugendstudie
„Lebenswelten 2025“ zeigt ein
differenziertes Bild der Einstellungen und Lebensrealitäten von
Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren. Für die repräsentative
Untersuchung wurden mehr als 15.000 Jugendliche befragt. In
Kärnten/Koroška, dem Burgenland/Gradišće/Örvidék und Wien wurden
zusätzlich Fragen zu Mehrsprachigkeit, Volksgruppen,
gesellschaftlicher Vielfalt und Diskriminierung erhoben.
Die Ergebnisse zeigen eine hohe Offenheit gegenüber sprachlicher
Vielfalt: Rund 70 Prozent der befragten Jugendlichen stimmen der
Aussage zu, dass andere Sprachen ihr Umfeld bereichern. 77 Prozent
wünschen sich, dass ihre zukünftigen Kinder mehrsprachig aufwachsen.
„Mehrsprachigkeit wird von vielen Jugendlichen als
selbstverständlicher Teil ihres Alltags wahrgenommen. Gleichzeitig
zeigen die Ergebnisse, dass sprachliche Vielfalt stärker sichtbar
gemacht und gefördert werden sollte“, erklärt das Forschungsteam.
Zwtl.: Geringes Wissen über Volksgruppen
Gleichzeitig macht die Studie auf Wissenslücken hinsichtlich der
sechs anerkannten Volksgruppen Österreichs aufmerksam. Mehr als ein
Drittel der Befragten gab an, erstmals im Rahmen der Studie von deren
Existenz erfahren zu haben. Jede bzw. jeder Vierte stimmt der
Aussage, dass die Volksgruppen selbstverständlich zu Österreich
gehören, nicht zu.
Besonders bemerkenswert: Obwohl sich fünf Prozent der
Jugendlichen selbst einer autochthonen Minderheit beziehungsweise
Volksgruppe zuordnen, zählen Volksgruppensprachen zu jenen Sprachen,
die innerhalb der Familien am stärksten verloren gehen.
Zwtl.: Soziale Unterschiede im Schulalltag sichtbar
Die Untersuchung zeigt außerdem, dass soziale Ungleichheiten von
Jugendlichen deutlich wahrgenommen werden. Fast die Hälfte der
Befragten beobachtet große Unterschiede beim finanziellen Wohlstand
von Mitschülerinnen und Mitschülern. Bildungsräume seien häufig
sozial relativ homogen zusammengesetzt, wodurch Begegnungen zwischen
unterschiedlichen sozialen Milieus eingeschränkt würden.
Die Forschenden sehen daher sowohl im Bildungsbereich als auch in
der Gesellschaft Handlungsbedarf. Mehr Sichtbarkeit von
Mehrsprachigkeit, Volksgruppen und gesellschaftlicher Vielfalt könne
dazu beitragen, gegenseitiges Verständnis und soziale Offenheit
nachhaltig zu stärken.
Zwtl.: Zur Studie
Die Jugendstudie „Lebenswelten 2025“ basiert auf einer
repräsentativen Befragung von mehr als 15.000 Jugendlichen im Alter
von 14 bis 18 Jahren in Österreich. Die Teilstudie zu
Mehrsprachigkeit, Volksgruppen und sozialer Vielfalt wurde von Daniel
Wutti (PH Kärnten), Jasmin Mersits-Linzer (PPH Burgenland), Helga
Grössing (PH Wien), Astrid Mairitsch (PH Kärnten) und Werner Hemsing
(KPH Wien/Niederösterreich) durchgeführt.