Gesundheit

ÖVP – Korosec: Hilfe bei Magersucht kommt in Wien viel zu spät

Wien (OTS) – Anorexia nervosa ist unter Jugendlichen die psychische
Erkrankung mit
der höchsten Sterblichkeitsrate. Sie betrifft vor allem junge
Menschen in einer besonders verletzlichen Lebensphase und bringt oft
schwerwiegende körperliche und psychische Folgen mit sich. Trotzdem
müssen Betroffene in Wien monatelang auf Hilfe warten. Nicht auf
einen Therapieplatz, sondern bereits auf ein erstes Gespräch.
„Magersucht ist leise. Sie macht keinen politischen Lärm, sie stört
das Umfeld nicht und sie fällt oft kaum auf. Genau deshalb fallen
diese Kinder und Jugendlichen manchmal durch alle Netze. Das darf in
einer Stadt wie Wien nicht sein“, so Gesundheitssprecherin LAbg.
Ingrid Korosec im Zuge der heutigen Debatte im Wiener Landtag zum
Volksanwaltschaftsbericht 2024.

Die Versorgungslage in Wien ist alarmierend. Das Kompetenzzentrum
für Menschen mit Essstörungen „sowhat“ verzeichnet Wartezeiten von
bis zu drei Monaten, und zwar nicht für einen Therapieplatz, sondern
allein für ein Erstgespräch. Die durchschnittliche Wartezeit auf
ambulante Psychotherapie beträgt fünf Monate, stationär sind es drei
bis sechs Monate. Für Korosec ist das ein Zeichen von massiver
Überforderung im System.

Hinzu kommt, dass es im Bereich der stationären Behandlung von
Magersucht in Wien weiterhin deutliche Versorgungslücken gibt.
Trotzdem fehlen bis heute belastbare aktuelle Zahlen darüber, wie
viele Menschen in Wien tatsächlich betroffen sind, wie lange die
Wartelisten konkret sind und wie viele zusätzliche Plätze tatsächlich
benötigt werden.

Besonders dramatisch ist auch die hohe Dunkelziffer. Ein großer
Teil der Betroffenen wird nie diagnostiziert. Gerade weil
Essstörungen oft unscheinbar verlaufen und vom Umfeld lange nicht
erkannt werden, braucht es ein Versorgungssystem, das frühzeitig
reagiert und nicht erst dann, wenn bereits akute Lebensgefahr
besteht.

Korosec erinnert daran, dass die Wiener Volkspartei bereits 2022
einen Beschlussantrag zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit in
der Kinder und Jugendpsychosomatik eingebracht hat. Schon damals
wurden die langen Wartezeiten für Betroffene, unter anderem von
Magersucht, thematisiert. Der Antrag wurde von SPÖ und Neos
abgelehnt. „Die Expertinnen und Experten haben gewarnt, die
Missstände liegen seit Jahren auf dem Tisch, und trotzdem ist zu
wenig passiert. Versorgungslücken entstehen nicht über Nacht. Sie
entstehen durch jahrelanges Wegschauen“, so Korosec.

Die Wiener Volkspartei brachte daher erneut einen Beschlussantrag
ein. Die Forderungen sind klar: mehr stationäre und teilstationäre
Behandlungsplätze in der Kinder- und Jugendpsychosomatik, mehr
Personal, der Aufbau von Nachsorgestrukturen und Betreutem Wohnen,
ein niedrigschwelliges ambulantes Versorgungsangebot ohne monatelange
Wartezeiten sowie ein jährlicher Bericht an den Wiener Gemeinderat
über die gesetzten Maßnahmen und die Entwicklung der Versorgungslage.

„Ich erwarte keine Absichtserklärungen und keine Verweise auf
laufende Projekte. Ich erwarte konkrete Maßnahmen für jene Kinder,
Jugendlichen und Familien, die heute auf Hilfe warten. Derzeit
wochenlang, oft monatelang und manchmal um ihr Leben“, so Korosec
abschließend.

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