Gesundheit

Von Olivenabfällen zu grünen Lösungen

Graz (OTS) – Wie können Abfälle aus der Olivenmühle in nachhaltige
Biokunststoffe,
saubere Energie und pflanzenfördernde Verbindungen umgewandelt
werden? Diese Frage steht im Mittelpunkt von OLinWASTE, einem neuen
europäischen Forschungsprojekt, das – mit österreichischer
Beteiligung durch acib GmbH – Mitte Juni in Rom offiziell gestartet
wurde. Im Rahmen des Projekts soll eine voll integrierte
Bioraffinerie für Rückstände aus Olivenmühlen entwickelt werden.

Die EU ist der weltweit größte Erzeuger, Verbraucher und
Exporteur von Olivenöl, auf den rund 67% der weltweiten Produktion
entfallen. Hinter diesem Erfolg verbirgt sich eine wachsende
ökologische und wirtschaftliche Herausforderung: die Bewältigung der
großen Abfallmengen, die bei der Olivenölproduktion anfallen. Zu
diesen Abfällen – bekannt als Olivenmühlenabfälle – gehören Trester,
Kerne und Blätter, wobei allein in Europa jährlich bis zu 9,6
Millionen Tonnen anfallen. Die derzeitigen Entsorgungsmethoden sind
kostspielig und können bis zu 10 % der gesamten Produktionskosten
ausmachen.

Eine unsachgemäße Abfallbewirtschaftung kann aufgrund des hohen
Gehalts an organischen Verbindungen und Schwermetallen zu
Bodenverschlechterung, Wasserverschmutzung und Schädigung lokaler
Ökosysteme führen. Angesichts des zunehmenden Drucks, den Einsatz von
Chemikalien zu reduzieren und die Nachhaltigkeit zu verbessern, zielt
OLinWASTE darauf ab, innovative Lösungen zu entwickeln, um diese
Abfälle in wertvolle Bioprodukte umzuwandeln und so ein kostspieliges
Problem in eine profitable Chance zu verwandeln.

OLinWASTE entwickelt eine neuartige, umweltfreundliche
Bioraffinerie, die ohne Emissionen auskommen will. Mithilfe grüner
Chemie und mikrobieller Prozesse werden agroindustrielle Abfälle und
Nebenprodukte in wertvolle Ressourcen umgewandelt – darunter
pflanzliche Bioimmunostimulanzien, Biopestizide, Biodünger,
Biokunststoffe und Bioenergie. Dabei sollen Treibhausgasemissionen
reduziert, Abfallströme effizient genutzt und thermoelektrische
Energie erzeugt werden. Das Projekt zielt auch darauf ab, die
Emissionen, den Lärm und die Gerüche der Anlage so gering wie möglich
zu halten. Zur Optimierung der Oliven-Abfallbehandlung wird ein
digitales Zwillingssystem entwickelt, in das maschinelles Lernen
integriert wird. Das ermöglicht die Simulation des Betriebs in
Echtzeit und trägt dazu bei, die Effizienz und die CO2-Bilanz zu
verbessern. Durch begleitende Bewertung der Umweltauswirkungen und
der Wirtschaftlichkeit der Prozesse wird sichergestellt, dass das
Konzept dauerhaft nachhaltig ist.

Das von Vincenzo Lionetti von der Sapienza-Universität Rom
koordinierte Projekt wird von der Europäischen Kommission im Rahmen
des Programms Horizon Europe, mit 4 Millionen Euro gefördert und hat
eine Laufzeit von 4 Jahren.

„acib hat in diesem Projekt mehrere Aufgaben. Zum einen besteht
unser wissenschaftlicher Auftrag darin Wirkstoffe aus Rückständen der
Olivenölproduktion auf positive Auswirkungen auf das Bodenmikrobiom
und Pflanzenwachstum zu testen, zum anderen wollen wir durch
Fermentation der Rückstände das gut abbaubare Bioplastik PHA
produzieren. Außerden ist acib auch für die Kommunikation der
Projektergebnisse verantwortlich und sorgt damit für mehr
Sichtbarkeit der Biotechnologie“, sagt Barbara Petschacher,
Kommunikationsbeauftragte und Nachhaltigkeitsmanagerin bei acib GmbH.

Insgesamt neun Partner aus sechs europäischen Ländern sind
beteiligt: Italien, Schweden, Spanien, Österreich, das Vereinigte
Königreich und Finnland. Das Konsortium besteht aus 4 europäischen
Universitäten, darunter die Sapienza, die Universität Padua, die
Cranfield University, Universidad De Burgos, die University of
Surrey, drei Forschungszentren, das Austrian Centre of Industrial
Biotechnology (ACIB), die Research Institutes of Sweden (RISE) und
Rise Processum (RISEP), eine Agrolio-Agroenergy-Bioraffinerie und ein
Open Innovation Cluster CLIC Innovation Oy.

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